Michael Douglas, 82, stand kurz vor seinem Auftritt bei der Oscarverleihung 1992, als zwei Männer ihn abfingen: ein FBI-Agent und ein Sergeant des Los Angeles Police Department. Sie überbrachten eine Warnung. Es gebe eine »glaubhafte Drohung« gegen sein Leben. Jemand wolle ihn mit einer HIV-infizierten Nadel stechen.
Die Episode schildert Douglas in seinen gerade erschienenen Memoiren »One Helluva Ride«. Die Drohung habe ihn besonders deshalb erschreckt, weil Aids damals als Todesurteil gegolten habe, schreibt er.
Bis Mitte der Neunzigerjahre war die Epidemie von Vorurteilen, Hass und einem sicheren Tod geprägt. Seit am 5. Juni 1981 in Los Angeles die ersten fünf Aids-Fälle der USA gemeldet worden waren, damals noch ohne den Namen Acquired Immune Deficiency Syndrome (Aids), hatte es kaum Hoffnung gegeben. Ein erstes Aids-Medikament verlangsamte den Krankheitsverlauf zwar, hatte aber schwere Nebenwirkungen. Erst 1995 kam der Durchbruch, der seitdem Millionen Menschen das Leben gerettet hat.
Im Saal des Shrine Auditoriums waren damals, so Douglas, verdeckte Ermittler verteilt. Sie sollten verhindern, dass ein möglicher Angreifer bis zur Bühne gelangte. Die Behörden gingen seiner Aussage nach davon aus, dass sich die verdächtige Person im Saal befand, wussten allerdings nicht, ob als Zuschauer oder Veranstaltungsmitarbeiter.
Ein nicht namentlich genannter Freund von Douglas bestätigte die Geschichte gegenüber der US-Boulevardseite »Page Six«. Demnach habe ein FBI-Agent Douglas sogar geraten, auf den Auftritt zu verzichten. Douglas habe große Angst gehabt, sich aber dennoch entschieden, den Oscar für die beste Hauptdarstellerin zu überreichen. Dieser ging damals an Jodie Foster.
Einem Reporter des US-Nachrichtenportals »The Wrap« sagte Douglas, die FBI-Agenten seien davon ausgegangen, dass die Drohung mit Jodie Foster zusammenhing. Auf weitere Nachfragen antwortete er: »Dein Leben ist in Gefahr. Jemand wird dich mit einer HIV-positiven Nadel stechen. Was soll ich da sagen?« Auf dem Weg zur Bühne habe er das Publikum gemustert, auf der Suche nach jemandem, der hinaufstürmen könnte. Die Scheinwerfer hätten das aber erschwert, erinnert er sich: Er habe kaum etwas erkennen können.
Woher die Drohung gekommen sei, habe nie geklärt werden können. Nur eines steht fest: Einen tatsächlichen Angriff gab es nicht.
