SpOn 07.09.2026
22:04 Uhr

Meeresschutz: Warum viele Schutzgebiete Riffe nicht wirksam schützen


Offiziell stehen fast zehn Prozent der Weltmeere unter Schutz. Allerdings bringt das zu oft nicht den gewünschten Effekt, zeigt eine Analyse. Ein Grund: Fischerei bleibt häufig erlaubt.

Meeresschutz: Warum viele Schutzgebiete Riffe nicht wirksam schützen

Die Weltmeere sind der größte Lebensraum der Erde. Hunderttausende Arten leben dort, etliche von ihnen sind bedroht durch Überfischung, Vermüllung und Klimawandel. Schutzgebiete sollen die Lage eigentlich verbessern, doch laut einer neuen Studie bieten nur weniger als ein Viertel der Flächen einen echten ökologischen Vorteil.

Ein Forschungsteam um die Meeresbiologin Ella Clausius von der Universität Tasmanien in Australien hat die Größe und Anzahl von Fischen und Haien in über 550 Schutzzonen in flachen Stein- und Korallenriffen analysiert. Die Riffe gelten als besonders artenreich, geraten aber durch die steigenden Meerestemperaturen immer stärker unter Druck.

Schutz nur auf dem Papier

Aus den Daten berechnete das Forschungsteam die sogenannte Fischbiomasse und verglich diese mit der Biomasse, die laut Modellrechnung zu erwarten wäre, wenn gar keine Schutzmaßnahmen gelten würden. Demnach liefern rechnerisch nur 23 Prozent der Schutzgebiete doppelt so viel Biomasse – ab diesem Wert gehen Fachleute von einem echten ökologischen Nutzen aus.

Hochgerechnet auf alle Schutzzonen wären demnach nur etwa zwei Prozent der Ozeane wirksam geschützt, berichten die Forscher im Fachblatt »PNAS«.

Laut dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt sollen bis 2030 eigentlich mindestens 30 Prozent der Gewässer weltweit unter Schutz stehen. Aktuell sind demnach 9,8 Prozent der Ozeane als Meeresschutzgebiete ausgewiesen.

Fachleute überraschen die neuen Forschungsergebnisse nicht. Vielerorts werde beispielsweise nicht überprüft, ob Schutzmaßnahmen auch wirklich eingehalten werden – etwa Einschränkungen bei der Fischerei. Zudem bedeute ein Schutzgebiet nicht automatisch, dass dort Fischerei verboten ist.

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»Viele Schutzgebiete sind ›Papiertiger‹, bestehen also hauptsächlich auf dem Papier, und werden in der Praxis nicht sonderlich befolgt«, sagte Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung dem Science Media Center. Die Studie zeige einmal mehr, dass sich Länder und Behörden viel stärker um die tatsächliche Durchsetzung von Regeln kümmern müssten, als nur immer neue und größere Schutzgebiete auszuweisen.

»Für den Meeresschutz wäre mehr erreicht, wenn die bereits bestehenden Schutzgebiete wirkungsvoll wären und deren Regeln befolgt würden, als wenn das Ziel von 30 Prozent der Meeresfläche in Schutzgebieten formal erreicht würde, diese aber ohne Wirkung blieben«, so der Experte weiter.

Anfang des Jahres hat der Bundestag ein internationales Meeresschutzabkommen gebilligt, das auch die hohe See unter Schutz stellen soll. Wie das Abkommen die Ozeane retten könnte, lesen Sie hier.

koe