Hitze, Dürre oder Überschwemmungen: Folgen des Klimawandels wirken sich besonders gravierend auf Mädchen im Globalen Süden aus. Ihre Gesundheit und Entwicklung werden dadurch zunehmend beeinträchtigt, heißt es im »Weltmädchenbericht«, den die Kinderhilfsorganisation Plan International am Montag veröffentlichte. Dies sei kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern »bittere Realität«.
Mädchen erlebten infolge von Klimaextremen »massive Einschränkungen und Rechteverletzungen, die ihr Leben grundlegend bestimmen«, mahnte Justus Schneider, Experte für Klimagerechtigkeit bei Plan International Deutschland. Rund ein Zehntel der Mädchen werde in solch einer Situation minderjährig verheiratet und/oder ungewollt schwanger.
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Die Hilfsorganisation hatte den Angaben zufolge 5000 Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren aus Bangladesch, Kenia, Peru, Senegal und Simbabwe befragt. Zudem analysierte sie Gesundheits- und Klimadaten aus 50 Ländern.
Drei Viertel der Befragten gaben an, nicht mehr an Menstruations- oder Verhütungsprodukte zu gelangen oder medizinische Versorgung bekommen zu können. Gründe dafür waren geschlossene Kliniken oder Gesundheitsstationen nach Extremwetterereignissen sowie zerstörte Infrastruktur.
»Wird auch der Schulbesuch wegen Klimakatastrophen oder finanziellen Nöten der Familie beendet, verdoppelt sich für Mädchen das Risiko, minderjährig verheiratet oder ungewollt schwanger zu werden«, erklärte Schneider.
Besonders deutlich sei der Zusammenhang zwischen Dürren und Frühverheiratung. Wenn Familien schleichend ihre Lebensgrundlagen verlören oder Mädchen aufgrund der wirtschaftlichen Folgen von der Schule genommen würden, stiegen die Zahlen für Früh- und Zwangsverheiratungen deutlich an, hieß es. Der Überblick.
In von Dürre betroffenen Gemeinden sagten 60 Prozent der Befragten, dass mehr minderjährige Mädchen verheiratet würden.
Insgesamt sagte mehr als jede dritte Befragte, dass Frühverheiratung nach Klimaereignissen in ihrem Umfeld zunehme.
Gut jede zehnte Befragte gab an, selbst minderjährig geheiratet zu haben. Als Gründe wurden dafür wirtschaftliche Not der Familie, Schwangerschaft, aber auch geschlossene Schulen genannt.
Mehr als jede vierte Befragte gab an, nach einem Klimaereignis mehr Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beobachten. Fast ein Fünftel der Befragten hatte selbst Gewalt erlebt. Dies wurde beispielsweise mit überfüllten Notunterkünften ohne fehlende Privatsphäre sowie unsicheren Toiletten begründet. Sexuelle Ausbeutung sei ebenfalls ein Faktor gewesen.
Fast jede zweite Befragte berichtete von anhaltender seelischer Belastung in Not- und Katastrophensituationen.
»Wir brauchen vor allem Klimapläne, die die besonderen Bedürfnisse von Mädchen berücksichtigen«, forderte Schneider. Dazu gehörten eine verlässliche Gesundheitsversorgung und Zugang zu Menstruations- und Verhütungsmitteln auch in Krisen. Schule sei kein Luxus, sondern »der wichtigste Hebel zum Schutz von Mädchen nach Wetterextremen.«
Vorverhandlungen für Uno-Klimagipfel
Auf den Fidschi-Inseln haben am Montag die möglicherweise entscheidenden Vorverhandlungen für den Uno-Klimagipfel in der Türkei begonnen. Das Treffen findet vom 9. bis zum 20. November in Antalya statt, eine Einigung über die wichtigsten Fragen steht bisher noch aus.
An den viertägigen Beratungen auf den Fidschi-Inseln wollen auch mehrere Staats- und Regierungschefs der Pazifikregion teilnehmen. Sie wollen die Zusammenkunft nutzen, um auf die Gefahren des Klimawandels für ihre Länder hinzuweisen, insbesondere durch den steigenden Meeresspiegel.
Bei der Uno-Klimakonferenz in Brasilien im vergangenen Jahr hatten sich die Teilnehmer nicht auf einen gemeinsamen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Energien einigen können. Seitdem sind die Verhandlungen über den weltweiten Klimaschutz nicht wirklich vorangekommen.

