Für rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland ändern sich die Preise für ihre Kfz-Haftpflicht. Die Versicherer haben für die Autos von 7,4 Millionen Menschen die Typklassen erhöht. Auf der anderen Seite wurden Autos von 5,1 Millionen Menschen in eine niedrigere Typklasse eingestuft. So teilt es der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Die Typklasse ist eine Einstufung, um abzubilden, wie häufig Schäden mit einem Automodell im Vergleich zu anderen Modellen sind – und wie teuer.
Zwei Beispiele: Der VW T7 Multivan 2.0 TDI wird in der Haftpflicht um zwei Klassen günstiger, der Citroën C5 1.2 um zwei Klassen teurer.
Historische Kleinwagen am günstigsten
Die Versicherer nehmen alle Autotypen auf, die in Deutschland zugelassen sind, auch jahrzehntealte Oldtimer. Insgesamt finden sich 33.860 Automodelle in der Statistik.
BMW Isetta 300 in einem Museum
Foto: Stefan Sauer / dpaAm günstigsten fahren die Besitzer historischer Kleinwagen. So sind die in den Fünfzigerjahren als »Knutschkugel« bekannte BMW Isetta, das Goggomobil und die »Ente« – der Citroën 2CV – in allen drei Arten der Kfz-Versicherung in die niedrigste Typklasse 10 eingestuft. Die Gründe haben die Statistiker des GDV nicht ermittelt. Von diesen historischen Automodellen sind nur noch wenige zugelassen. Sie werden mutmaßlich von ihren Besitzern liebevoll gepflegt und nur selten gefahren.
In der Teil- und Vollkasko am ungünstigsten eingestuft sind mehrere Porsche-911-Carrera-Modelle jüngerer und älterer Jahrgänge. Auffällig: In der Haftpflicht sind dieselben Porsches sämtlich in der niedrigsten Typklasse zehn eingestuft – die Fahrer sind also sicher unterwegs und selten in Unfälle verwickelt. An der Spitze der ungünstigsten Typklasse in der Haftpflicht liegen mehrere Sport-Modelle von Range Rover.
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Wie werden Autos Typklassen zugeordnet?
»In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind Schäden maßgeblich, die bei Dritten verursacht werden«, erläuterte der GDV. »Dazu gehören beispielsweise Auffahrunfälle und Parkrempler, aber auch größere Verkehrsunfälle.« Typklassen gibt es allerdings nicht nur für die Kfz-Haftpflicht, sondern auch für die Voll- und Teilkaskoversicherung, dort spielen unter anderem Ersatzteilpreise des jeweiligen Automodells eine Rolle.
»Viele Kleinwagen, wie Fiat Panda, Renault Twingo und VW Polo, die vergleichsweise günstig zu reparieren sind, haben oft niedrige Kasko-Typklassen«, so der GDV. Häufig fallen die Kosten dagegen bei hochwertigen Geländewagen, Sportwagen oder Oberklassemodellen höher aus.
Citroën C5 Aircross
Foto: Blondet Eliot / ABACAPRESS / IMAGODas Typklassen-System ist komplex: So gibt es 16 Typklassen in der Haftpflicht, nummeriert von 10 bis 25. In der Vollkasko sind es sogar 25 Typklassen (10 bis 34). Die Haftpflicht spiegelt die Schäden wider, die Autofahrer bei Unfällen an anderer Leute Eigentum anrichten. In der Teilkasko mit den Klassen von 10 bis 33 sind zusätzlich Hagelschäden, Wildunfälle und Diebstahl am eigenen Auto mitversichert. Selbstverschuldete Schäden am eigenen Auto deckt nur eine Vollkasko-Police.
Zeit der starken Preiserhöhungen vorbei
Das Vergleichsportal Verivox teilt mit, dass sich die neuen Typklassen teils auch innerhalb derselben Modellreihe unterschiedlich auswirken. So verteuere sich die Vollkaskoversicherung für einen Jeep Wrangler 2.0 im Schnitt um 25 Prozent, weil die Modellvariante um sechs Typklassen heraufgestuft wurde. Um sechs Klassen herunter gehe es hingegen für den Jeep Wrangler 3.6, somit müssten dessen Fahrer im Durchschnitt 19 Prozent weniger für den Rundumschutz zahlen.
»Der GDV bestimmt die Typklassen für jede Variante einer Baureihe auf Basis der jeweiligen Schadensbilanzen«, erklärte Verivox-Versicherungsexperte Aljoscha Ziller. »So kann es passieren, dass Fahrzeuge der gleichen Modellreihe in verschiedene Typklassen eingestuft sind und die Kosten für die Versicherung unterschiedlich ausfallen.«
Wie Verivox weiter mitteilt, steigt der Beitrag für die Vollkaskoversicherung mit jeder Typklasse im Schnitt um je vier Prozent. Anders als in den vergangenen Jahren müssten Versicherungsnehmer für das kommende Jahr aber »nicht grundsätzlich mit deutlichen Beitragserhöhungen rechnen«.
VW T7 Multivan 2.0 TDi
Foto: Tom Salt / Auto Bild / ullstein bild»Die starken Preiserhöhungen sind vorerst vorbei, und die meisten Versicherer sind zurück in der Gewinnzone«, erklärte Versicherungsexperte Ziller. »Wer dennoch eine Preiserhöhung erhält – etwa wegen höherer Typklassen –, kann durch einen Vergleich und Wechsel sparen.« Die Differenz zwischen günstigen Tarifen und Angeboten aus dem mittleren Preissegment liege über alle Versicherungsarten hinweg aktuell bei 33 Prozent.
Einfluss von Wohnort und Alter
Für die große Mehrheit der Autobesitzerinnen und -besitzer ändert sich in diesem Jahr nichts: Fast 30 Millionen Autofahrer behalten die bisherigen Typklassen ihrer Autos. Die Typklasse ist einer der Faktoren bei der Berechnung der Kfz-Versicherungsbeiträge. Einfluss hat auch der Wohnort, der in Form der Regionalklasse Eingang in die Kfz-Versicherung findet.
Eine große Rolle spielen aber auch die persönliche Schadenfreiheitsklasse sowie das Alter der Besitzer: Alte Autofahrer ab Mitte sechzig verursachen ebenso wie sehr junge Menschen hinter dem Steuer erheblich mehr Unfälle als Menschen mittleren Alters. Daher sind die Versicherungsbeiträge in der Mitte des Lebens auch erheblich günstiger – zumindest, wenn die Versicherung jahrelang keinen Schaden begleichen musste.
