SpOn 10.03.2026
06:35 Uhr

Kardinal von Teheran nach Italien ausgeflogen, Israel tötet Pfarrer im Südlibanon


Es war wohl ein israelischer Kampfjetangriff: Der libanesische Priester Pierre Raï ist tot. Papst Leo nimmt Anteil – und holt den Leiter des Erzbistums Teheran-Isfahan zurück. Zuvor war tagelang kein Kontakt möglich.

Kardinal von Teheran nach Italien ausgeflogen, Israel tötet Pfarrer im Südlibanon

Der katholische Erzbischof von Teheran hat sich mit einer Ausreise nach Rom vor den Kriegshandlungen in Schutz gebracht. Er sei zusammen mit dem Personal der italienischen Botschaft ausgeflogen worden, sagte Kardinal Dominique Mathieu dem belgischen Pressedienst Cathobel.

Seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe bis Donnerstag war der Kontakt zu dem Oberhirten von etwa 1300 Katholiken in Iran abgerissen. Der 62-jährige Belgier Mathieu wurde 2021 von Papst Franziskus zum Leiter des Erzbistums Teheran-Isfahan ernannt und war 2024 in den Kardinalsrang erhoben worden.

Der Kardinal, der dem franziskanischen Minoritenorden angehört, ist zugleich der einzige Priester seiner Ortskirche. In der islamischen Republik leben laut Schätzungen 20.000 Christen, darunter 3500 Katholiken, die sich wiederum auf orientalische Kirchen und die sogenannte lateinische Kirche verteilen.

Papst Leo XIV. hat derweil angesichts der Bombardierungen der vergangenen Tage im Nahen Osten sein tiefes Mitgefühl für die Opfer ausgedrückt. Das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken denke an die vielen Unschuldigen, darunter zahlreiche Kinder, sowie an diejenigen, die ihnen Hilfe geleistet hätten, teilte der Heilige Stuhl bei Telegram mit. Leo bete dafür, dass die Feindseligkeiten so bald wie möglich ein Ende finden.

Besonders erwähnt wird in der Mitteilung des Vatikans der libanesische Priester Pierre Raï, der nach Angaben aus dem Libanon bei einem Angriff von Israels Militär auf das christliche Dorf Kalajaa im Süden des Landes getötet wurde.

Trauernde im Dorf Klajaa im Süden des Libanon

Trauernde im Dorf Klajaa im Süden des Libanon

Foto: Rabih Daher / AFP

Der Bürgermeister des Ortes, Hana Daher, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass zunächst ein Haus im Ort getroffen worden sei. »Wir eilten mit dem Priester zu dem Mann und der Frau im Haus«, sagte er. Daraufhin sei das Haus erneut angegriffen worden. Der Priester sei dabei getötet worden.

Die israelische Armee gab an, eine »Hisbollah-Terrorzelle« in dem Gebiet im Südlibanon entdeckt zu haben. Daraufhin habe ein Kampfjet angegriffen.

Der Libanon ist ein multikonfessioneller Staat: Die Bevölkerung des Libanon setzt sich aus mehreren religiösen Gruppen zusammen, neben sunnitischen und schiitischen Muslimen leben dort auch viele Christen unterschiedlicher Denominationen. Erst im Dezember war Papst Leo für seine erste Auslandsreise als Papst in den Libanon gereist. Er besuchte dort verschiedene christliche Orte und Stätten. In dem von Krieg und Krisen gebeutelten Land rief er mehrfach nachdrücklich zum Frieden auf.

dop/dpa/KNA