SpOn 12.10.2026
07:45 Uhr

Kaja Kallas warnt vor Ölkatastrophe durch russische Schattenflotte


Mit immer neuen Tankern bastelt Russland an einer Parallelstruktur für den globalen Ölhandel. Die maroden Schiffe werden jedoch zunehmend zum Risiko, fürchtet nun die EU-Außenbeauftragte.

Kaja Kallas warnt vor Ölkatastrophe durch russische Schattenflotte

Die Europäische Union hat Russland mit zahlreichen Sanktionen belegt, um es dem Kreml schwer zu machen, seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Mit einer Schattenflotte versucht Russland, Ölexporte zu umgehen, die USA lassen die Schiffe weitestgehend unsanktioniert ziehen.

Nun warnt die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor einer drohenden Ölkatastrophe an den europäischen Küsten.

Die Schiffe seien »ökologische Zeitbomben«, da sie oft ‌alt, schlecht gewartet und unzureichend versichert seien, sagte Kallas einem Vorabbericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Montag zufolge. »Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die nächste große Ölkatastrophe an unseren Küsten von der Schattenflotte ausgehen wird«, so ​Kallas. Die Flotte diene zudem der Finanzierung des russischen Krieges gegen die Ukraine ⁠und sei ⁠in der Vergangenheit als Ausgangspunkt für hybride Angriffe genutzt worden.

Zahlreiche Einsätze gegen die Schattenflotte

Die Europäische Union (EU) hat im Kampf gegen die sogenannte russische Schattenflotte ‌Kallas zufolge in den vergangenen Monaten sechs Inspektionen ​vorgenommen. Jeder ‌dieser Einsätze an Bord koste Russland Zeit und Geld, erklärte die Chefdiplomatin. Der größte Druck auf Moskau entstehe jedoch durch diplomatische Maßnahmen, erklärte sie weiter. So hätten ‌afrikanische Länder auf Bitte der EU Hunderte Schiffe aus ihren Registern gestrichen.

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»Der Verlust der Flagge macht einen Tanker anfälliger für ‌Inspektionen und Festsetzungen und ​führt dazu, dass Behörden, ‌Versicherer, Banken und Händler zögern, mit ihm Geschäfte ‌zu ​tätigen«, so Kallas. Bislang habe die EU rund 670 Schiffe mit Sanktionen belegt. Die ​EU hatte ihre ⁠Marinemission »Irini« vor drei Monaten auf ​die ​Bekämpfung der russischen Schattenflotte ausgeweitet. Russland reagiert jedoch und nimmt immer mehr Schiffe in sein eigenes Register auf.

Der Kreml baut so eine Parallelstruktur für den Erdölhandel auf. Länder wie China und Indien sind weiterhin bereit, russische Rohstoffe zu kaufen.

mrc/Reuters