SpOn 11.07.2026
10:18 Uhr

Julia Klöckner über Politik und Soziale Medien: "Der Bundestag ist keine Bühne für das nächste TikTok-Reel"


Bundestagspräsidentin Julia Klöckner kritisiert das Verhalten mancher Bundestagsabgeordneten im Hinblick auf die Nutzung sozialer Medien. Vor einem Jahr klang sie allerdings noch anders.

Julia Klöckner über Politik und Soziale Medien:

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) betrachtet den ihrer Ansicht nach zu starken Fokus von Abgeordneten auf Onlinenetzwerke mit Argwohn. Es könne nicht sein, dass das »Parlament nur noch als Bühne für das nächste TikTok-Reel missbraucht wird und in Reden statt der Kolleginnen und Kollegen im Saal die eigenen Follower begrüßt werden«, sagte sie der »Welt am Sonntag«. Da gingen sie und ihre Präsidiumskollegen »sofort dazwischen«.

Mehr zum Thema

»Das Plenum ist das Schaufenster unserer parlamentarischen Arbeit und keine Influencer-Agentur oder Klick-Ökonomie«, sagte Klöckner weiter. »Kurzum: Demokratie ist nicht immer das Schnellste, aber sie hilft uns, das Schlimmste zu verhindern.«

»Dauerhafte Akzeptanz entsteht nicht durch Zuspitzung und Lautstärke, sondern Verlässlichkeit und Ernsthaftigkeit«, betonte die Bundestagspräsidentin. Es könne nicht sein, dass »der gewinnt, der am schnellsten auf ein Knöpfchen drücken kann«.

Zugleich räumte die CDU-Politikerin ein, dass auf den Abgeordneten ein starker Druck durch das »Dauerfeuer« der Onlinenetzwerke liege. »Leider gibt es den Trend, die eigene Entscheidung von der Wirkung auf diesen Plattformen abhängig zu machen.«

2025 bezeichnete Klöckner TikTok noch als »digitale Theke«

Vor einem Jahr klang Klöckner allerdings noch ganz anders. Damals bezeichnete sie TikTok als digitale Theke, an der Menschen abgeholt werden könnten, die sich nirgends sonst informierten. »Wenn es dieses Medium gibt, wäre es ziemlich unsinnig, da nicht auch über unsere Arbeit zu informieren und das Parlament darzustellen«, sagte sie damals der Nachrichtenagentur dpa.

Wer bei TikTok nach einem eigenen Channel des Bundestags sucht, wird allerdings nicht fündig. Was der Algorithmus stattdessen an oberster Stelle anbietet: die Kanäle der Afd-Fraktion – und von AfD-Chefin Alice Weidel.

kae/AFP