Judith Wessendorf, Rapperin:
»Deswegen habe ich mich auch getrennt von Nura und das einfach gepostet, ohne dass ich irgendjemandem etwas davor gesagt habe. Weil ich nicht mehr konnte. Ich habe das auch meinem Management nicht vorher gesagt. Ich war so: Das muss ich jetzt für mich machen, weil sonst … Auch gesundheitlich und so: Ich war am Ende.«
Juju ist 33 Jahre alt und eine der talentiertesten Rapperinnen Deutschlands. Bekannt geworden mit dem Duo SXTN und mit Songs wie »Fotzen im Club«. Juju44 und Nura waren mit SXTN dabei wegweisend für einen technisch einwandfreien, selbstbewussten, energetischen Female-Rap, den es so noch nicht gab.
Juju44, im Musikvideo:
»Ich habe ein' Music-Award im Regal und eine Diamantplatte, als wär's normal, denn wenn ich rappe, kann ich Gott erkennen. Ja, ich hab’s cool gemacht, dass ihr euch Fotzen nennt. Ja, ich hab’s cool gemacht, dass Frauen rappen in Deutschland. Doch krieg' keine Props. Ja, ihr habt mich enttäuscht …«
Judith Wessendorf, Rapperin:
»Zwei komplett nicht privilegierte Leute, die alles selber schreiben als Frauen, was es vorher gar nicht gab, rappen so wie Männer, aber eigentlich besser. Und geben Frauen und Jugendlichen eine Stimme – und sich selbst auch. Und verändern so komplett das ganze Deutschrap-Ding, dass das auf einmal komplett akzeptiert ist, dass eine Frau rappt. Bevor wir uns getrennt haben, war es ja auch so, dass mir da auch schon richtig schlecht ging und dass ich da eigentlich auch nicht mehr konnte. Deswegen habe ich mich auch getrennt von Nura.«
Juju44, im Musikvideo:
»Dann haben Leute gesagt, irgendwas stimmt nicht mit mir. Haben mir eingeredet, ich muss dringend vor die Tür. Bisschen Sauerstoff atmen, spazieren im Park. Ich habe so viel getan, jede Therapieart. War alleine im Ausland, hab' lang meditiert, alle Traumata hochgeholt, analysiert. Ich habe reflektiert und mich weiterentwickelt und kam zu meinem Schluss, dass ich euch alle ficke.«
Nach der Trennung von Nura und Erfolgen als Solo-Künstlerin nimmt sich Juju eine Auszeit, sucht sich professionelle Hilfe. In der Therapie wird bei ihr ADHS und Autismus diagnostiziert.
Judith Wessendorf, Rapperin:
»Das war der Moment, wo ich das erste Mal gecheckt habe: Okay, das ist etwas, das kann ich jetzt nicht kontrollieren und das ist was, was alles erklärt eigentlich. Ich erinnere mich richtig gut an den Tag, dass ich da wirklich nach langer Zeit mal wieder … Wenn man so durch die Wohnung springt und richtig glücklich ist, weil ich einfach dachte: okay, krass. Diese ganzen Sachen, die immer nicht geklappt haben oder auch in der Schule oder mit Menschen oder … Sachen, die ich nicht so konnte wie andere oder Sachen, die ich viel besser konnte als andere. Und ich habe das nie verstanden … Das habe ich in dem Moment alles verstanden und es war geil, ehrlich gesagt.«