Nach Beginn einer Großoffensive gegen die Huthi-Miliz melden die Streitkräfte der international anerkannten Regierung des Jemen die Einnahme strategisch wichtiger Gebiete an der Meerenge Bab al-Mandab. Ein Militärsprecher sagte, Einheiten hätten unter anderem den Flughafen der Küstenstadt Dhubab im Südwesten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht.
Die von den Huthi-Milizen kontrollierte Nachrichtenagentur Saba dementierte die Berichte. Sie sprach von einem Versuch, Misserfolge und wiederholte Niederlagen zu vertuschen. Eine unabhängige Prüfung aller Angaben ist derzeit nicht möglich.
Jemens Regierungschef Raschad al-Alimi am Sonntag
Foto: Yemen News Agency / REUTERSDer Ort Dhubab fungiert aufgrund seiner Lage als Kontrollpunkt für den südlichen Zugang zum Roten Meer. Die umliegenden Höhenzüge und Küstenabschnitte ermöglichen die Überwachung des zivilen Schiffsverkehrs sowie Angriffe mit Drohnen und Raketen. Die Region ist deshalb zwischen Huthis und den Truppen der anerkannten Regierung hart umkämpft.
Ziel der am Sonntag gestarteten Militäroperation ist nach Aussage von Raschad al-Alimi, dem Vorsitzenden des Präsidialen Führungsrats, die vollständige Rückeroberung aller von der Huthi-Miliz besetzten Gebiete. Die Armee habe mehr als 1100 Angriffe auf Stellungen der Miliz ausgeführt, teilte ein Armeesprecher mit. Dabei seien Kampfflugzeuge, Artillerie, Raketen und Drohnen zum Einsatz gekommen.
Saudi-Arabien muss wichtige Pipeline erneut schließen
Die Regierungstruppen werden von Saudi-Arabien unterstützt. Die Huthi-Miliz ist ein Verbündeter Irans. Seit Wochen liefern sich die verfeindeten Lager im Jemen wieder schwere Gefechte. Im September hatte die Huthi-Miliz in einer Blitzoffensive die gesamte Rotmeerküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und sich damit auch Zugriff auf die wichtige Meerenge Bab al-Mandab verschafft.
Zuletzt gelang ihnen offenbar erneut ein Erfolg gegen Saudi-Arabien. Nach Angriffen musste das Land die wichtige Ost-West-Pipeline am Montag erneut schließen. Der Betrieb sei nach einer Attacke auf eine Pumpstation eingestellt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von einer Quelle im saudi-arabischen Energiesektor. Bei dem Angriff in Churais, östlich der Hauptstadt Riad, sei »großer Schaden« entstanden.
Die proiranische Huthi-Miliz im Jemen hatte am Sonntag nach eigenen Angaben Raketen- und Drohnenangriffe auf Anlagen des saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco geflogen. Die Ost-West-Pipeline war seit Beginn des Irankriegs bereits mehrfach im Visier. Nach einem Angriff vor gut drei Wochen wurde der Betrieb der rund 1200 Kilometer langen Leitung nach Angaben der Analysefirma Kpler für elf Tage unterbrochen.
