Nicht jedes Paar, das sich Kinder wünscht, kann auch welche bekommen. Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt nun: Schwangerschaftsverlust oder Unfruchtbarkeit betrifft etwa jede dritte Frau im reproduktiven Alter.
Für die Studie wurden 1862 Befragte aus drei Geburtskohorten über zehn Jahre begleitet. Das Ergebnis: Rund 28 Prozent der befragten Frauen berichteten innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren über Infertilität. Der Begriff beschreibt das Auftreten von Problemen beim Versuch, schwanger zu werden, sodass eine Schwangerschaft nur verzögert eintritt oder ausbleibt. Eine oder mehrere Fehlgeburten erlebten demnach neun Prozent der Teilnehmenden.
Einen Erklärungsansatz sehen die Autorinnen im Alter. Die meisten Menschen würden die Familiengründung etwa im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30 beginnen. Etwa 63 Prozent dieser Frauen bekamen innerhalb von zehn Jahren mindestens ein Kind. In der Altersgruppe ab 35 hat beinahe jede zweite Frau Schwierigkeiten, schwanger zu werden oder das Kind zu behalten. Nur acht Prozent der Frauen aus dieser Altersgruppe können ohne solche Schwierigkeiten schwanger werden, heißt es. In der mittleren Altersgruppe von Mitte 20 bis Mitte 30 trifft das demnach auf 41 Prozent der Frauen zu.
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In den vergangenen Jahrzehnten ist das durchschnittliche Alter von Müttern bei der Geburt ihrer Kinder dabei immer weiter gestiegen. Im Schnitt sind Frauen hierzulande 30,4 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommen, die Väter meist älter.
»Ein realistisches Verständnis darüber, wie das Alter das Risiko für Schwangerschaftsverlust oder Infertilität beeinflusst, kann Frauen und Männer bei der Familienplanung unterstützen«, sagt Jasmin Passet-Wittig, Mitautorin der Studie. Wenn es um die Geburtenentwicklung geht, stehe meist die Zahl der geborenen Kinder pro Frau im Vordergrund, während belastende Erfahrungen wie Fehlgeburten oder ausbleibende Schwangerschaften wenig Beachtung finden, heißt es in einer Mitteilung zu der Studie.
