Die iranische Justiz hat im Zusammenhang mit den Massenprotesten zum Jahreswechsel einen weiteren Mann hingerichtet. Wie die justiznahe Nachrichtenagentur Misan mitteilte, wurde das Todesurteil gegen Siavasch Jamschidi im Morgengrauen vollstreckt.
Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, während der landesweiten Unruhen auf Polizisten geschossen zu haben. Die Auswertung von Mobilfunkdaten soll außerdem seine wiederholte Anwesenheit bei den Unruhen und seinen Einsatz der Schusswaffe bestätigt haben. Das Gericht verurteilte ihn wegen Kriegsführung gegen Gott (Moharebeh), der Nutzung einer Schusswaffe sowie Verschwörung gegen die Sicherheit des Landes zum Tode.
Laut Misan wurde Jamschidi zudem wegen weiterer Vergehen verurteilt, die nicht in Zusammenhang mit den Protesten standen, darunter »Betrug, Bedrohungen, Diebstahl und dem Besitz und dem Tragen einer militärischen Waffe«. Weitere Vorwürfe waren demnach unter anderem »Komplizenschaft bei Entführung, Schwingen einer Waffe zum Zweck der Einschüchterung und absichtliche Körperverletzung«.
100 weiteren Demonstranten droht laut Menschenrechtlern Hinrichtung
Im Kontext der Protestwelle zum Jahreswechsel sind nach Angaben von Menschenrechtlern bislang mindestens 32 Männer hingerichtet worden. Der Direktor der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO), Mahmood Amiry-Moghaddam, erklärte auf X, mindestens 100 weiteren Demonstranten drohe die Exekution.
Die Proteste waren Ende Dezember 2025 wegen der Wirtschaftskrise im Land ausgebrochen und entwickelten sich rasch zu Massenprotesten gegen die autoritäre Führung. Der Staat ließ sie gewaltsam niederschlagen. Tausende Demonstranten wurden dabei getötet.
Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren die systematische Anwendung der Todesstrafe in der Islamischen Republik Iran. Sie werfen den Behörden vor, Hinrichtungen gezielt zur Abschreckung und politischen Einschüchterung zu nutzen. Die Justiz stützt sich dabei häufig auf dehnbare Straftatbestände wie Spionage, Gefährdung der nationalen Sicherheit oder Gotteslästerung.
Amnesty International zufolge wurden im vergangenen Jahr mindestens 2159 Menschen in Iran hingerichtet – der höchste verzeichnete Wert seit 1981. Auch im Kontext des Irankriegs wurden Todesurteile gegen mutmaßliche Spione und politische Gefangene vollstreckt.
