SpOn 13.07.2026
12:27 Uhr

Hirnforschung: Schon drei Monate alte Babys reagieren auf Musik


Eine Studie zeigt: Schon drei Monate alte Kinder reagieren auf Musik. Doch fürs rhythmische Mitwippen braucht das Gehirn mehr Zeit. Wie Eltern ihre Babys musikalisch fördern können.

Hirnforschung: Schon drei Monate alte Babys reagieren auf Musik

Viele Eltern mögen es geahnt haben: Die Musikalität von Babys ist schon im Alter von drei Monaten ausgeprägt. Mit komplexen Bewegungsmustern reagieren Kinder aber erst gegen Ende des ersten Lebensjahres auf Musik. Das berichten Forschende aus Österreich, Italien und Deutschland nach gezielten Versuchen im Fachjournal »eLife« .

»Musikalität – die biologische Veranlagung, Musik wahrzunehmen, zu würdigen und zu produzieren – wird immer mehr als grundlegender Aspekt der menschlichen Natur anerkannt«, schreibt das Team. Unklar ist jedoch, in welchem Alter Babys damit beginnen, in ihrer Wahrnehmung und in ihrer Bewegung auf Musik zu reagieren. Dies untersuchte das Team um die Hirnforscherin Trinh Nguyen, die inzwischen an der Universität Heidelberg arbeitet, und die Psychologin Stefanie Höhl von der Universität Wien.

Dazu spielten sie 79 Babys im Alter von drei, sechs und zwölf Monaten zwei Kinderlieder vor sowie Versionen davon, die melodisch und rhythmisch verfremdet waren. Die Kinder saßen in einem Babysitz vor einem Bildschirm mit sich entfaltenden Blumenmustern und wurden per Lautsprecher beschallt. Währenddessen zeichnete das Team die Hirnaktivität der Babys per Elektroenzephalogramm (EEG) auf und filmte auch ihre Körperbewegungen.

»Bereits im ersten Lebensjahr wertvolle Erfahrungen«

Demnach zeigten bereits die jüngsten Babys eine verstärkte Hirnaktivität beim Musikhören. »Wir sehen also, dass die auditive Verarbeitung von Musik schon sehr früh in der Entwicklung beginnt«, sagt Erstautorin Trinh Nguyen. Anders sah es bei den Körperbewegungen aus: Zwar registrierte das Team in allen Altersgruppen Bewegungen zur Musik. Komplexere und strukturierte Bewegungsmuster zeigten aber erst die zwölf Monate alten Kleinkinder.

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Aber auch bei ihnen erkannten die Forschenden noch keine koordinierte Synchronisation der Bewegungen zum Takt der Musik, etwa ein rhythmisches Mitwippen. Mithin, so folgert das Team, lerne das Gehirn erst allmählich, auf Musik mit zunehmend komplexen Bewegungen zu reagieren. Dies werde im Lauf der Kindheit immer koordinierter, schreibt die Gruppe.

»Für Eltern, pädagogische Fachkräfte und die frühe Förderung bedeutet das, dass gemeinsames Singen, rhythmisches Wiegen und wiederholte musikalische Routinen bereits im ersten Lebensjahr wertvolle Erfahrungen sein können«, bilanziert die Psychologin Stefanie Höhl. »Auch dann, wenn Babys noch nicht sichtbar im Takt mitgehen.«

mha/dpa