Der britische Premierminister Andy Burnham hält es für »fast sicher«, dass die iranischen Revolutionswächter hinter den verdächtigen Aktivitäten an einem auch von den USA genutzten britischen Militärstützpunkt im Südwesten Englands stehen. »Ich kann unsere Einschätzung bestätigen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit in Iran koordiniert wurde, fast sicher unter der Leitung der Islamischen Revolutionswächter Irans«, sagte Burnham im Parlament in London. Bereits am 30. September hatte der Labour-Politiker gesagt, es gebe »starke Hinweise darauf, dass Iran eine Rolle bei den Ereignissen gespielt hat«.
Burnham deutete nun zudem Sanktionen an. »Wir werden hart gegen den Einsatz krimineller Netzwerke durch Iran vorgehen und unser gesamtes Spektrum an Befugnissen nutzen, um gegen diese Netzwerke und ihre Finanzströme vorzugehen.« Zudem bestätigte das britische Außenministerium, dass der iranische Botschafter zu Gesprächen einbestellt worden sei.
In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die Regierungen der USA, Kanadas, Australiens, Neuseelands sowie zahlreicher europäischer Staaten, darunter Deutschland, als Reaktion auf die britische Einschätzung gewalttätige iranische Angriffe. Explizit genannt wurden in der vom US-Außenministerium geteilten Stellungnahme etwa tödliche Komplotte, Sabotage und Cyberangriffe.
Der iranische Botschafter in Großbritannien, Seyed Ali Mussawi, wies jegliche Beteiligung seines Landes zurück. Die Führung in Teheran sei jedoch bereit, mit den britischen Behörden bei der Untersuchung des Vorfalls zu kooperieren, sagte er nach Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna.
Ende September waren fünf Männer nahe dem von der US-Luftwaffe genutzten britischen Militärstützpunkt RAF Fairford aufgegriffen worden. Sie werden der Vorbereitung einer terroristischen Tat verdächtigt. Gegen sie wird auch wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Inzwischen sind sie unter strengen Auflagen wieder freigelassen worden. In den darauffolgenden Tagen wurden zwei weitere Verdächtige zwischenzeitlich festgenommen und dann ebenfalls unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.
Der Vorfall hatte erhebliche geopolitische Konsequenzen: Die USA zogen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Folge ihre zwölf auf der Basis stationierten B1-Bomber ab. Die britische Regierung hatte den Vereinigten Staaten die Erlaubnis erteilt, von Fairford aus Angriffe auf iranische Raketenstellungen zu fliegen. Die Revolutionswächter hatten den Stützpunkt deshalb im Juli als legitimes Ziel bezeichnet.
