In wenigen Wochen soll unter anderem in den USA der WM-Ball rollen. Auch Iran ist qualifiziert. Doch ist eine Teilnahme realistisch, angesichts der Eskalation nach den Angriffen der USA und Israels auf das Land? US-Präsident Donald Trump hat der iranischen Fußballnationalmannschaft den Verzicht auf die Teilnahme an der anstehenden Weltmeisterschaft in Nordamerika nahegelegt.
Er begründete dies am Donnerstag auf seiner Onlineplattform Truth Social mit einer Sorge um »Leben und Sicherheit« der Spieler. Noch vor wenigen Tagen hatte Trump laut Fifa-Präsident Gianni Infantino erklärt, dass die Fußballer trotz des Irankriegs in den USA »natürlich willkommen« seien.
Das wiederholte Trump am Donnerstag dann auch. »Aber ich glaube wirklich nicht, dass es angemessen ist – wegen ihres eigenen Lebens und ihrer Sicherheit«, schrieb der US-Präsident. Er gilt als »Freund« von Fifa-Boss Infantino. Der Chef des Weltfußballverbands hatte Trump am Rande der WM-Auslosung im Dezember den erstmals vergebenen Fifa-Friedenspreis verliehen.
In einer späteren Erklärung auf Truth Social betonte Trump, die Veranstaltung werde sicher sein für Spieler und Zuschauer. »Es wird das großartigste und sicherste Sportereignis in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein«, erklärte der US-Präsident.
Irans Fußballverband reagierte am späten Donnerstagabend. »Wenn irgendjemand ausgeschlossen werden sollte, dann ein Gastgeber, der die Sicherheit der teilnehmenden Mannschaften nicht garantieren kann.« Im Übrigen habe der Weltverband Fifa bei der WM das Sagen, und kein einzelnes Land. Die USA richten die WM ab 11. Juni zusammen mit Kanada und Mexiko aus.
Teheran hat seinerseits wegen des Kriegs der USA und Israels gegen Iran einen Boykott ins Spiel gebracht – eine Entscheidung wurde offiziell bisher nicht getroffen. Die drei Gruppenspiele Irans sollen in den US-Westküstenmetropolen Los Angeles und Seattle stattfinden.
Signale aus Teheran deuten auf Absage
Es mehren sich die Anzeichen, dass Iran auf eine Teilnahme verzichtet (mehr dazu hier ). So hatte Sportminister Ahmad Donjamali in einem Fernsehinterview mit Blick auf die Trump-Regierung gesagt: »Da diese korrupte Regierung unseren Führer ermordet hat, haben wir unter allen Umständen keine Bedingungen, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen.«
Der Umstand, dass sechs Fußballerinnen und einer Betreuerin nach dem Aus beim Asien-Cup in Australien Asyl gewährt wurde, gilt als Steilvorlage für den Verband, eine Nichtteilnahme am WM-Turnier ins Gespräch zu bringen. »Welcher vernünftige Mensch würde seine Nationalmannschaft in die USA schicken, wenn es bei der WM genauso politisch zugehen sollte wie in Australien«, sagte Irans Fußball-Verbandspräsident Mehdi Tadsch der Nachrichtenagentur Isna.
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Die USA und Israel hatten Ende Februar mit Luftangriffen den Irankrieg begonnen. Bereits am ersten Kriegstag wurden der oberste Anführer Ajatollah Ali Khamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion.
