SpOn 12.10.2026
12:44 Uhr

Frauen fühlen sich laut Studie in Männerteams bei Fehlern unsicherer


Fehler machen alle. Doch wie sicher sich Beschäftigte dabei fühlen, sie zuzugeben, hängt vom Geschlecht ab. Eine Studie zeigt: In männerdominierten Teams trauen sich Frauen deutlich seltener, offen mit Fehlern umzugehen.

Frauen fühlen sich laut Studie in Männerteams bei Fehlern unsicherer

Jeder macht Fehler, auch am Arbeitsplatz, und das ganz unabhängig von Beruf, Erfahrung oder Geschlecht. Wie Mitarbeitende solche Fehler jedoch bewerten und wie sie von anderen wahrgenommen werden, ist unterschiedlich. Im Vergleich zu Männern neigen Frauen eher dazu, Fehler negativer zu bewerten – zumindest, wenn sie viele männliche Kollegen haben. Das legt eine neue Studie im Fachmagazin »Frontiers in Organizational Psychology« nahe.

»In Teams, die zu drei Vierteln oder mehr aus Männern bestehen, gaben Frauen an, dass sie sich weniger wohl dabei fühlen, einen Fehler zuzugeben, und weniger zuversichtlich sind, dass dieser als Lernchance betrachtet wird. Wo Frauen in der Mehrheit sind, verschwindet dieser Unterschied«, fasst Studienautorin Grace Lordan von der London School of Economics ihre Ergebnisse zusammen. Theoretisch habe ein Fehler dieselben Konsequenzen, egal, wer ihn begehe, aber, so Lordan, »formale Regeln sind nicht gleichbedeutend mit Kultur«.

Für die Studie befragten sie und ihr Team 1485 Angestellte aus dem britischen Finanzsektor – einer überwiegend männerdominierten Branche mit hohem Druck und geringer Fehlertoleranz. Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass Männer und Frauen in einem solchen Umfeld bei Fehlern unterschiedlich bewertet werden.

»Frauen in stereotypisch männlichen Rollen werden tendenziell härter für Fehler beurteilt, als weniger kompetent angesehen und erhalten einen geringeren Status als gleichwertige männliche Kollegen«, heißt es in der Studie zum bisherigen Forschungsstand.

Die zentralen Forschungsfragen lauteten:

  • Haben weibliche und männliche Berufstätige unterschiedliche Empfindungen hinsichtlich der Fehler, die sie bei der Arbeit begehen?

  • Fühlen sich Frauen unwohler mit ihren eigenen Fehlern, weil sie mit einer härteren Beurteilung rechnen?

  • Und: Wird das dadurch beeinflusst, wie stark ihr Umfeld von Männern dominiert ist?

In Teams mit einem Männeranteil von mindestens 75 Prozent fühlten sich Frauen im Umgang mit eigenen Fehlern unsicherer als ihre männlichen Kollegen. Ihnen war deutlich unwohler dabei, einen eigenen Fehler in der Firma offen anzusprechen. Auf einer Skala von eins bis sieben lag das Sicherheitsgefühl beim Eingestehen von Fehlern bei durchschnittlich 5,46 Punkten, bei Männern im selben Arbeitsumfeld bei 5,94 Punkten. In Teams mit einem geringeren Männeranteil lag der Wert bei Frauen bei 5,58.

Bei der Angst vor erwarteten formellen Folgen wie etwa einem Vermerk in der Personalakte zeigte sich dagegen kein geschlechtsspezifischer Unterschied. Die Kluft liege also in den informellen, psychologischen Dimensionen, so das Team.

Auch die Möglichkeit, Fehler als Lernchancen wahrzunehmen, sahen Frauen in Teams mit hohem Männeranteil weniger. Hier lag der Wert bei 4,20 für Frauen und 4,54 für Männer. In Teams mit einem geringeren Männeranteil bewerteten Frauen die Lernchancen ähnlich positiv wie Männer – teilweise sogar etwas positiver.

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Die Forscherinnen weisen darauf hin, dass mehr als 80 Prozent ihrer Befragten Frauen waren – ein Ungleichgewicht, das die Verallgemeinerbarkeit einschränke. Zudem basierten die Daten auf Selbstauskünften zu einem hypothetischen Szenario: Die Befragten sollten sich einen Fehler von mäßiger Bedeutung in ihrem Job vorstellen – etwa eine knapp verpasste Frist oder einen Fehler, der höheren Arbeitsaufwand für die Kollegen bedeutete.

Das Fazit von Forscherin Lordan: »Aus Fehlern zu lernen, ist die Quelle von Innovation. Wenn Frauen sich weniger frei fühlen, Fehler zuzugeben, verliert das Unternehmen nicht nur ihr Vertrauen, sondern auch die daraus gewonnenen Erkenntnisse.« Aber das Problem sei lösbar: Führungskräfte sollten aktiv an einer offenen Arbeitsatmosphäre arbeiten und deutlich machen, dass Fehler nicht automatisch als Makel gälten, sondern Anlass zum Lernen seien. Eine solche Fehlerkultur »kommt allen zugute und macht Unternehmen auf lange Sicht erfolgreicher«.

vet/dpa