SpOn 05.10.2026
18:37 Uhr

Frankreich: Polizeigranate reißt 15-Jährigem die Hand ab


Eine von der Polizei eingesetzte Granate hat bei Protesten im nordfranzösischen Lens einen Schüler schwer verletzt. Der 15-Jährige wird in einer Klinik behandelt. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet.

Frankreich: Polizeigranate reißt 15-Jährigem die Hand ab

Ein 15 Jahre alter Schüler ist bei einem Protest im nordfranzösischen Lens durch eine Polizeigranate schwer verletzt worden. Medienberichten zufolge riss die Granate ihm die Hand ab. Er sei in eine Klinik gebracht worden, befinde sich aber nicht in Lebensgefahr, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Laut Behördenkreisen soll der Jugendliche eine sogenannte Entkesselungs-Granate aufgehoben haben, um diese zurückzuwerfen. Ob diese Darstellung zutrifft, oder ob die Granate den Jungen traf, muss noch ermittelt werden. Die Generalinspektion der Nationalpolizei lasse den Polizeieinsatz untersuchen.

Seit Beginn der Proteste wurden nach offiziellen Angaben 5060 Menschen festgenommen, 87 Prozent davon Minderjährige. Insgesamt wurden 190 Schüler verletzt.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, habe die Polizei inzwischen sechs interne Untersuchungen eingeleitet. Eine davon betrifft demnach die Verletzung eines 16-Jährigen in Tours, der am vergangenen Mittwoch ein Auge verloren hatte. Die Verletzung sei vermutlich durch ein Hartgummigeschoss der Polizei verursacht worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Familie erstattete Anzeige. In einem anderen Fall soll ein 14-Jähriger in Saint-Ouen-l'Aumône beim Abschuss einer Tränengasgranate im Gesicht getroffen worden sein.

Mitschüler berichtet französischem Sender von dem Vorfall

In Lens, wo es nun zur Verletzung des 15-Jährigen kam, sollen einige von 200 Schülern Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen haben, teilte die Präfektur mit. Daraufhin sei die Bereitschaftspolizei angerückt und habe die Granate auf die Menge gefeuert.

Schüler vor Ort sagten dem Sender Ici Nord , dass sie den Eingang zur Schule hätten blockieren wollen, als die Beamten Tränengas und Granaten eingesetzt hätten. »Ich stand neben dem Mitschüler, der verletzt wurde. Plötzlich traf etwas seine Hand und es explodierte. Ich habe gesehen, wie seine Hand explodierte«, sagte eine Schülerin. Laut dem Bericht des Senders handelte es sich um eine Blendgranate. Die französische Polizei darf diese zum Selbstschutz einsetzen, in vielen anderen EU-Ländern sind sie verboten.

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Am Montag fanden an mehr als 400 Schulen in Frankreich Proteste statt, an vielen Orten kam es zu Gewalt. Hunderte Schulen blieben ganz geschlossen. Für Dienstag haben Schülervertretungen zu einem landesweiten Aktionstag aufgerufen. In Großstädten wie Paris, Lyon und Bordeaux soll es Kundgebungen geben. Auch Bildungsgewerkschaften appellierten an ihre Mitglieder, daran teilzunehmen oder die Arbeit niederzulegen.

Sie wollen eine bessere Ausstattung der Schulen und bessere Lernbedingungen: Mehr zu den Protesten der französischen Jugendlichen lesen Sie hier .

esw/atr/dpa/AFP