Die Aufregung war groß im Fahrerlager der Formel 1 in Sepang. Der Grand Prix in Malaysia, Ersatz für das im Frühjahr wegen des Irankriegs abgesagte Rennen in Bahrain, war mit rund neunzigminütiger Verspätung gestartet. Die Gründe: heftiger Regen und streikende Autos.
In der Einführungsrunde waren mehrere Piloten nur noch sehr langsam um den Sepang International Circuit geschlichen, einige blieben ganz stehen. Softwareprobleme ließen die Fahrer stranden, wie sich später herausstellte.
»Ich musste auf der Strecke anhalten, das Auto und den Motor abstellen und dann neu starten. Das habe ich noch nie gemacht«, betonte Rekordchampion Lewis Hamilton, der mit 41 Jahren bald seinen 400. Grand Prix bestreiten wird.
Es habe »große Panik« geherrscht, als sie alle keine Power gehabt hätten, erinnerte sich der Brite an die absurden Szenen, als Formel-1-Rennwagen im Schritttempo auf der Formationsrunde über den nassen Asphalt krochen oder am Streckenrand ausrollten. Max Verstappen, der am Sonntag seinen ersten Saisonsieg einfuhr, hatte es auch erwischt. »Das ist nicht gerade das, was man sich für den Sport wünscht, oder?«, fragte er.
Das Red-Bull-Team schiebt Verstappens Auto in die Startaufstellung
Foto: Sona Maleterova / Getty ImagesDas Comeback in Malaysia, wo die Formel 1 zuletzt 2017 gefahren war, hatte ein Novum in dieser Saison gebracht: Noch keine einzige Session hatte 2026 auf nasser, rutschiger Strecke stattgefunden.
Für Sepang hatte die Regenwahrscheinlichkeit über das ganze Rennwochenende als hoch gegolten, es blieb aber stets trocken – erst 40 Minuten vor dem geplanten Start prasselte es dann plötzlich auf die Strecke. Nach dem Wolkenbruch, der schon zu einer Verspätung geführt hatte, sorgte dann die Technik der komplizierten Boliden für noch mehr Verzögerung.
»Es war insgesamt eine Kombination von mehreren Ereignissen«, sagte der Technische Direktor des Automobil-Weltverbands Fia, Nikolas Tombazis: »Das hat die Software durcheinandergebraucht, sodass die Autos nicht mehr beschleunigen konnten.« Aus Sicherheitsgründen wegen des Regens und der nassen Strecke waren die Settings für die neuen Hybridantriebe mit beinahe 50-prozentigem Elektroanteil verändert worden. Doch das ging schief, weil die Erfahrung mit solchen Verhältnissen fehlte.
»Unwürdiges Schauspiel«
Man habe nach den Problemen in der Einführungsrunde ein Softwareupdate an die Teams ausgegeben, das diese in den Autos aktualisieren mussten. »Daher kam die Verzögerung beim zweiten Start«, sagte Tombazis.
Verstappen, ohnehin großer Kritiker der neuen Power Units, sah sich am Sonntag erneut bestätigt. »Das ist unser Problem: dass die Motoren so kompliziert sind, dass sie so sehr von der Software abhängen«, sagte der Vierfachchampion.
Auch andere Fahrer stimmten ein. Cadillac-Pilot und früherer Teamkollege bei Red Bull, Sergio Pérez, gab an, dass ihn sein Auto an ein »Leihkart« erinnert habe, wie der Mexikaner beim Portal »Motorsport Total« zitiert wird.
Ferraris Charles Leclerc machte sich Sorgen um die Sicherheit. »Wir kamen nur noch mit etwa 20 Kilometern pro Stunde voran. Es ist schon ein bisschen beängstigend, so etwas bei einem Formel-1-Wagen zu sehen.« Denn das hätte zu einem großen Unfall führen können, sagte der Monegasse.
»Ein unwürdiges Schauspiel für die Königsklasse des Motorsports«, schrieben die »Salzburger Nachrichten«. »Die Formel 1 verwandelte sich (…) in Malaysia in eine ›Formel Farce‹, als die angeblich modernsten Autos der Welt auf nasser Fahrbahn nicht vorankamen«, spottete die »Daily Mail« aus England.
Die Fia kündigte nach dem Rennen eingehende Untersuchungen und eine Aufarbeitung an. Diese werde »gemeinsam mit den Teams und den Herstellern der Antriebseinheiten« stattfinden, hieß es in einem Statement am Sonntag nach dem Grand Prix.
Schon am kommenden Wochenende steht das nächste Rennen im benachbarten Singapur (Sonntag, 14 Uhr, Liveticker SPIEGEL.de, TV: Sky) an.
