Mit verbundenem Kopf blickt Smit Machchhar in die Kamera. Der indische Kapitän der Flydubai-Maschine hat am Freitag in einem Videocall mit Indiens Premierminister Narendra Modi telefoniert. Darin schilderte er, wie er die Gewalttat am Mittwoch auf dem Weg nach Tel Aviv im Flieger erlebt hat.
Demnach habe er im Cockpit gelegen und sei weiterhin von seinem omanischen Co-Piloten attackiert worden, als er bemerkte, dass der Flieger sich im Sinkflug befinde. »Ich lag verletzt am Boden, aber ich sagte mir, ich müsse noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um die Tür von innen zu öffnen«, sagte er. Mit diesem Schritt hat Machchhar wahrscheinlich die Katastrophe verhindert. »Ich kämpfte um mein Leben. In dem Moment wurde mir klar: Wenn ich keinen Mut zeige, werden 170 Passagiere sterben«, sagte er weiter.
Der Flug der emiratischen Gesellschaft Flydubai war am Mittwoch auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als es zu der Auseinandersetzung im Cockpit kam. Israels Regierung geht von einem versuchten dschihadistischen Terroranschlag aus – wichtige Fragen sind aber noch offen. Klar ist jedoch, dass Machchhar den Passagieren an Bord Zugang zum Cockpit verschaffte. So konnten sie den Angreifer überwältigen. Die Maschine steuerte kurz darauf den saudi-arabischen Flughafen Tabuk für eine Notlandung an.
»Die anderen kamen herein und halfen ebenfalls, die Lage unter Kontrolle zu bringen«, sagte Machchhar in dem Gespräch mit Modi. »Natürlich kämpfte ich um mein eigenes Leben, aber zugleich wusste ich, dass ich nicht zulassen würde, dass andere sterben«, fügte er hinzu. Das Büro des indischen Premierministers hat einen Mitschnitt des Telefonats veröffentlicht. Modi lobte den Mut von Machchhar und wünschte ihm in dem Gespräch gute Besserung.
Netanyahu würdigt Machchhar als Helden
Der Pilot wurde nach der Notlandung zunächst in Saudi-Arabien behandelt, mittlerweile aber nach Abu Dhabi ausgeflogen und befindet sich derzeit in einem Krankenhaus. Berichten zufolge ist sein Zustand stabil. »Ich betrachte diese Verletzung nicht einfach als Wunde, denn das würde meine Genesung noch schwieriger machen«, sagte Machchhar in dem Telefonat. »Ich sehe es als einen Weg, den ich Schritt für Schritt gehe. Es wird dauern, aber ich bin zuversichtlich, dass ich mich erholen und wieder fit und gesund werden werde.«
Zuvor hatten Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Modi bereits die Furchtlosigkeit des von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt. »Er ist ein wahrer Held«, teilte Netanyahu am Donnerstagabend auf der Plattform X mit. Trotz schwerer Stichverletzungen habe der indische Flugkapitän Widerstand geleistet, die Cockpittür geöffnet und es Passagieren ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen. Modi schrieb auf X, Indien sei stolz auf den Piloten.
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