Die Polizei geht in ihren langwierigen Ermittlungen gegen den früheren britischen Prinzen Andrew mehreren Ansätzen nach. Das geht aus einer Mitteilung der Thames Valley Police hervor. Dabei nehmen die Ermittler auch mögliches sexuelles Fehlverhalten in den Blick. Der jüngere Bruder von König Charles III. war im Februar im Zuge des Skandals um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zwischenzeitlich festgenommen worden .
Die britische Polizei rief erneut Zeugen auf, sich mit Hinweisen zu mutmaßlichem Fehlverhalten zu melden. Die Polizei habe »eine beträchtliche Menge an Informationen« aus der Öffentlichkeit und anderen Quellen erhalten, sagte Oliver Wright, stellvertretender Polizeichef der Thames Valley Police, gegenüber Reporterinnen und Reportern. »Die Ermittlungen sind zwangsläufig äußerst gründlich und werden Zeit in Anspruch nehmen.«
Die Polizei prüfe auch Berichte, wonach eine Frau im Jahr 2010 zu sexuellen Zwecken an eine Adresse in Windsor gebracht worden sei. Ein Anwalt des mutmaßlichen Opfers hatte der BBC im Januar mitgeteilt , sie sei von Epstein für eine sexuelle Begegnung mit dem damaligen Prinzen nach Großbritannien geschickt worden.
Mögliche Sorge vor öffentlichem Druck
Die Ermittler haben den Angaben zufolge mit dem Anwalt gesprochen, doch die Frau habe die Straftat noch nicht angezeigt. Die britische Polizei erklärte, einige Opfer könnten sich aufgrund des Drucks durch die nationale und internationale Aufmerksamkeit davon abhalten lassen, sich zu melden.
»Was die Opfer und Überlebenden von Epstein betrifft, hoffen wir, dass sich jeder mit relevanten Informationen meldet, und ich möchte wirklich betonen, dass unsere Tür offen steht, wann immer ein Opfer oder Überlebender bereit ist, mit uns zusammenzuarbeiten«, so Wright.
Die Polizei stünde auch in Kontakt mit dem US-Justizministerium wegen der Epstein-Dokumente. Bislang habe man noch keine Dokumente erhalten.
Die Ermittler sollen nach Berichten britischer Medien besorgt darüber sein, dass die Öffentlichkeit den Eindruck gewinne, die Ermittlungen konzentrierten sich nur auf die Vorwürfe, Andrew habe während seiner Zeit als Handelsbeauftragter sensible Informationen weitergegeben. Der rechtliche Tatbestand sei jedoch weitaus umfassender.
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Der 66-Jährige wurde aus seiner offiziellen Rolle in der Königsfamilie verbannt, ihm wurden alle Titel und Ehren aberkannt .
Andrew war eng mit Sexualstraftäter Epstein befreundet. Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär betrieb jahrelang einen pädophilen Missbrauchsring, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen.
Eines der Opfer, die inzwischen gestorbene Virginia Giuffre, warf Andrew vor, sie mehrfach missbraucht zu haben, zum Teil, als sie noch minderjährig war. Der Ex-Prinz bestreitet die Vorwürfe, doch eine Zivilklage Giuffres in den USA endete Berichten zufolge in einem millionenschweren Vergleich.
