SpOn 19.03.2026
14:18 Uhr

EZB: Leitzins bleibt bei 2,0 Prozent


Trotz Irankrieg und steigender Energiepreise bleibt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank vorerst unverändert. Die Notenbank verzichtet auf eine Zinsanpassung.

EZB: Leitzins bleibt bei 2,0 Prozent

Trotz des hohen Ölpreises und drohender Inflationsgefahr hält die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins konstant. ​Der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde beließ den Einlagensatz am Donnerstag bei ‌2,0 Prozent. Über diesen Leitzins steuert die EZB maßgeblich ihre Geldpolitik. Es ist bereits die sechste Zinspause in Serie.

Noch vor wenigen Wochen schien die EZB im Kampf gegen die Teuerung im Währungsraum auf einem guten Weg. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar liegt die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ölpreisschock wächst die Sorge vor einem starken Anziehen der Inflation.

»Der EZB-Rat ist bereit, alle ‌seine Instrumente im Rahmen seines ​Mandats anzupassen, ‌um sicherzustellen, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert«, teilten die Währungshüter mit. Dabei lege man sich nicht im ‌Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.

Fehler aus 2022 vermeiden

Die Notenbank will mit ihrer Zinspolitik verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben. Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland rasant.

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»Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden«, sagte EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane kürzlich. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen. Derzeit rechnen die EZB-Ökonomen mit einer Teuerung von durchschnittlich 2,6 Prozent in diesem Jahr. Damit wurde die Dezember-Prognose von 1,9 Prozent deutlich angehoben.

»Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden«, hieß es zur Begründung. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate mit ​2,0 (bisher: 1,8) Prozent dem Zielwert der EZB entsprechen, für 2028 werden nun 2,1 Prozent ⁠erwartet.

Die Folgen des Irankriegs haben mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas Deutschland bereits erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone »schätzungsweise auf mindestens drei Prozent«, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation in der ersten Jahreshälfte von zuletzt knapp zwei Prozent »merklich über 2,5 Prozent« steigen wird.

Es besteht die Gefahr einer Stagflation

Einige Experten vermuten bereits, dass die Notenbank im Sommer die Zinsen anheben wird. Eine Zinsanhebung würde allerdings die Wirtschaft im Euroraum bremsen. Auch wenn die Energiepreise längerfristig erhöht bleiben, wäre es für die EZB schwierig, ihre Geldpolitik zu straffen, sagt Berenberg-Ökonom Felix Schmidt. »Denn in diesem Szenario würde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen.«

Dann würde das gefürchtete Szenario einer Stagflation Realität: steigende Preise bei zugleich stagnierender Wirtschaft – ein Albtraum für Notenbanken. Sie hätten dann kaum Optionen zum Gegensteuern.

mmq/sol/Reuters/dpa