SpOn 19.03.2026
12:07 Uhr

Donald Trump und Joe Kent: Zurückgetretener Terrorabwehr-Chef klagt über mangelnden Kontakt zu Trump


Seinen Rücktritt als Chef der Terrorabwehr hat Joe Kent mit den US-israelischen Luftschlägen gegen Iran begründet. Nun behauptet er, er habe den Präsidenten warnen wollen. Dies sei ihm aber nicht gestattet worden.

Donald Trump und Joe Kent: Zurückgetretener Terrorabwehr-Chef klagt über mangelnden Kontakt zu Trump

Der kürzlich zurückgetretene Chef der US-Terrorabwehr Joe Kent wirft der US-Regierung vor, interne Zweifel an den Luftangriffen gegen Iran nicht bis zu Präsident Donald Trump durchgelassen zu haben. Kent, der nach eigenen Angaben aus Sorge über den Irankrieg in dieser Woche zurückgetreten war, sagte im Interview mit dem rechten Podcaster Tucker Carlson, ihm und anderen ranghohen Regierungsvertretern sei »nicht erlaubt« worden, ihre Bedenken direkt beim Präsidenten vorzutragen. Trump habe sich auf einen kleinen Kreis von Beratern gestützt.

Kent behauptete, Israel habe Trumps Entscheidung maßgeblich beeinflusst – obwohl es seiner Darstellung nach keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung der USA durch Iran gegeben habe. Israel habe die USA unter Druck gesetzt, indem es mit einem eigenen Vorgehen gedroht und so US-Interessen in der Region gefährdet habe. Kent deutete Aussagen von Außenminister Marco Rubio und dem republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, als Hinweise in diese Richtung. Wer konkret seinen Zugang zu Trump blockiert habe, ließ er allerdings offen.

Wenige Tage nach Beginn der US-israelischen Luftschläge hatte Rubio den Angriff damit begründet, dass Israel Iran ohnehin attackiert hätte. »Wir wussten, dass es eine israelische Aktion geben würde, wir wussten, dass das einen Angriff auf amerikanische Kräfte auslösen würde, und wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden – möglicherweise sogar mehr Tote –, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgegangen wären«, sagte er .

Antisemitismusvorwürfe und FBI-Ermittlungen

Die Äußerungen des Ex-Terrorabwehr-Chefs geben einen Einblick in mögliche Spannungen innerhalb der US-Regierung. Trumps Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard erklärte am Mittwoch, die Entscheidung, ob Iran eine Bedrohung darstelle, liege allein beim Präsidenten. Eine Bewertung der aktuellen Angriffe äußerte sie nicht.

Kents Aussagen über eine »israelische Lobby« in den USA, die für die Angriffe gegen Iran geworben habe, sowie seine Verbindungen ins ultrarechte Milieu zogen Vorwürfe von Antisemitismus nach sich, lesen Sie hier mehr dazu.

Einem US-Medienbericht zufolge steht Kent unter FBI-Ermittlungen. Ihm werde vorgeworfen, geheime Informationen ⁠weitergegeben ⁠zu haben, berichtet das Onlineportal »Semafor«  unter Berufung auf Insider. Demnach liefen die Ermittlungen bereits seit Monaten. Auch die Zeitung »New York Times«  und der Sender CBS  berichteten über die Ermittlungen. Das FBI äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

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Kent war seit 2025 Leiter des Nationalen Terrorabwehr-Zentrums (NCTC) gewesen. Trump bezeichnete seinen Rücktritt als »eine gute Sache«. Kent sei in Sicherheitsfragen »sehr schwach« gewesen, so der Mann, der ihn nominiert hatte.

col/AFP/AP/Reuters