SpOn 14.10.2026
09:49 Uhr

Chinas Außenhandel wächst kräftig


Die weltweite Nachfrage nach Halbleitern und Autos ist enorm: Der Außenhandel der Volksrepublik hat deutlich stärker zugelegt als von Experten erwartet, zum Leidwesen von Chinas Handelspartnern.

Chinas Außenhandel wächst kräftig

Chinas Exporte steigen trotz des anhaltenden Konflikts mit Handelspartnern enorm. Im September stiegen die Ausfuhren um satte 36,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde in Peking mitteilte. Auch die Importe erreichten mit 31 Prozent ein deutliches Plus, der Handelsüberschuss lag damit bei rund 133 Milliarden Dollar.

Die chinesische Wirtschaft ist auf ein starkes Exportgeschäft angewiesen. Hinter dem jüngsten Anstieg steckt laut Zoll auch der Boom bei Künstlicher Intelligenz. Damit einhergehend sei die Nachfrage nach Schaltkreisen, Speichermedien oder Produkten zur Speicherung und Übertragung von Strom gestiegen, sagte Zoll-Vizeminister Wang Jun. Vergangenes Jahr hatte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) allerdings auch vor einer Schwemme an Billigprodukten aus China gewarnt.

Trotz des Anstiegs der Importe steuert China auf einen Rekordhandelsüberschuss zu. Wang rechnet auch im letzten Quartal 2026 mit einem anhaltenden Wachstum der Importe und Exporte, bereits jetzt kletterte der Wert für die ersten drei Quartalen auf 938,11 Milliarden Dollar. Die Handelspartner Chinas kritisieren das Ungleichgewiund fordern, dass Peking den Inlandskonsum antreibt. Gründe für die schwächere Binnennachfrage sind die Folgen einer Immobilienkrise, hohe Jugendarbeitslosigkeit und das schwach ausgebaute soziale Sicherheitsnetz.

Kompromiss bei Auto-Exporten

Auch Chinas Exporte in die Bundesrepublik stiegen gegenüber dem Vorjahr deutlich um 31,4 Prozent. Die Importe erreichten dagegen nur ein Plus von 0,1 Prozent. Auch in die EU exportierte China deutlich mehr (25,3 Prozent) als sie von dort importierte (0,7 Prozent).

Die EU wirft China vor, so den Wettbewerb zu verzerren. In Europa mehrten sich zuletzt die Stimmen, einen wirtschaftspolitisch härteren Kurs gegenüber dem Land zu fahren. Frankreich und Deutschland schlugen zuletzt vor , die EU-Kommission solle Unternehmen, Branchen und auch ganze Länder wie China im Eilverfahren vom europäischen Markt ausschließen können.

Peking weist den Vorwurf zurück , die europäischen Märkte dank Überkapazitäten zu fluten. Die Entwicklung von Im- und Exporten klafft besonders bei Autos auseinander. Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA zeigen, dass im September lediglich 1,63 Millionen Fahrzeuge in China verkauft wurden – ein deutliches Minus von 28,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Parallel exportierten die Hersteller demnach 923.000 Fahrzeuge, was einem Plus von 73,2 Prozent entsprach.

In Beratungen zwischen Brüssel und Peking einigten sich beide Seiten  am vergangenen Freitag, die Importe von Hybridfahrzeugen aus China anzupassen. So solle die Zahl der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos über die kommenden vier Jahre um »einige Millionen Fahrzeuge« reduziert werden, sagte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic.

»Dass beide Seiten verhandeln, ist ein hoffnungsvolles Signal«, sagte der Chef der deutschen Auslandshandelskammer in Ostchina, Michael Kern. Für die mehr als 5.000 deutschen Unternehmen in China bedeute dies, dass sich das Risiko einer Eskalation zunächst verringert habe. Andere sehen eine kurze Atempause für die unter Druck stehende Autoindustrie.

Der US-Wirtschaftswissenschaftler Michael Pettis verwies darauf, dass es sich nur um eine Übereinkunft in einer Branche handle. Dieses Abkommen berücksichtige weder das Ungleichgewicht auf der Nachfrageseite in China noch die allgemeine Rolle der EU bei der Abfederung dieses Ungleichgewichts und werde so kaum Auswirkungen auf das verarbeitende Gewerbe der EU insgesamt haben, schrieb er auf der Online-Plattform X.

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apr/dpa