Sicherheitspersonal an der Europa Passage hat nach Angaben der Polizei mehreren Menschen mit Regenbogenflaggen beim Christopher Street Day (CSD) in Hamburg den Zutritt zum Einkaufszentrum in der Innenstadt verweigert. Der Sicherheitsdienst habe an zwei Seiteneingängen Menschen »mit sichtbaren Regenbogenflaggen« wiederholt abgewiesen, teilte die Hamburger Polizei auf SPIEGEL-Anfrage mit. Die Menschen sollen dazu aufgefordert worden sein, ihre Flaggen einzurollen oder nicht sichtbar zu tragen, hieß es weiter.
Die Hamburger Polizei war nach eigenen Angaben am Samstag »mehrfach aufgrund von Streitigkeiten beim Eintritt in die Einkaufspassage gerufen worden«. Den angerückten Beamten habe der Sicherheitsdienst mitgeteilt, dass mit der Maßnahme das Hausrecht ausgeübt werde. Nach »dem letzten Einschreiten der Polizei« sei die Praxis jedoch eingestellt worden, hieß es weiter.
Wie viele Menschen abgewiesen wurden, teilte die Polizei am Sonntag zunächst nicht mit. Auch war nicht zu erfahren, ob wegen der Vorfälle Ermittlungen aufgenommen wurden.
Center Management spricht von Missverständnis
Unklar blieb zudem, gegen welche Regelung des Hausrechts genau die Betroffenen verstoßen hätten und warum die Sicherheitskräfte nach Anrücken der Polizei die Maßnahme offenbar einstellten. Ein Sprecher des Centermanagements der Europa Passage teilt am Sonntagabend auf Anfrage des SPIEGEL mit, es habe sich »um Einzelfälle und offenbar um ein Missverständnis gehandelt«. Es habe keine Anweisung an den Sicherheitsdienst gegeben, Menschen mit Flaggen oder Transparenten den Eintritt zu verweigern.
Das Center Management habe »umgehend reagiert« und intern kommuniziert, dass es keine derartige Regelung gebe. »Ein solches Verbot würde auch nicht zum Anspruch und zum Selbstverständnis der Europa Passage passen, die sich als offenes, vielfältiges und diskriminierungsfreies Haus versteht und alle Menschen willkommen heißt«, so der Sprecher.
Das Management der Europa Passage prüfe nun die Vorgänge gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst, um »eventuelle Unklarheiten im Nachgang aufzuarbeiten und aufzulösen«. Über die Vorfälle hatte die »Hamburger Morgenpost« zuerst berichtet.
Am Samstag waren in Hamburg nach übereinstimmenden Veranstalter- und Polizeiangaben etwa 300.000 Menschen zu einer Rekord-Demonstration zum CSD zusammengekommen – erst eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD . Das Motto der Parade lautete: »Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!«.
Anmerkung der Redaktion: Wir haben nach Veröffentlichung die Stellungnahme des Centermanagements ergänzt.
