SpOn 01.08.2026
16:15 Uhr

CSD: Zehntausende bei Pride Parade in Hamburg, Rob Jetten ruft in Amsterdam zu Coming-out auf


Sich nicht einschüchtern lassen, für Vielfalt und gleiche Rechte einstehen: Die LGBTIQ-Gemeinschaft demonstriert auf ihren ersten großen Paraden nach dem Terror von Berlin in ausgelassener Stimmung, mit Rekordbeteiligung in Hamburg.

CSD: Zehntausende bei Pride Parade in Hamburg, Rob Jetten ruft in Amsterdam zu Coming-out auf

Hunderttausende Menschen sind in Hamburg zu einer Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) zusammengekommen. Sie versammelten sich nahe dem U-Bahnhof Lübecker Straße und begannen ihren Zug durch den Stadtteil St. Georg in Richtung Innenstadt. 60 Lastwagen dienen als fahrende Bühnen von Unternehmen, Vereinen, Parteien und der evangelischen Kirche. Das Motto lautet: »Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!«

Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride und die Polizei schätzten am Nachmittag übereinstimmend, dass 300.000 Menschen teilnahmen – so viele wie noch nie laut den Veranstaltern. Die Stimmung sei friedlich und ausgelassen, sagte eine Sprecherin nach Beginn der Demonstration. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen.

Unter den Teilnehmenden sind mehrere Politiker von SPD und Grünen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) solle ein Zeichen setzen, indem er an einem CSD teilnehme, wünschte sich SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch.

Demonstration am Hamburger Steindamm

Demonstration am Hamburger Steindamm

Foto: Focke Strangmann / AFP
Drag Queen Olivia Jones in Hamburg

Drag Queen Olivia Jones in Hamburg

Foto:

Focke Strangmann / AFP

Eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf eine ähnliche Veranstaltung in Berlin hat die Hamburger Polizei ihr Sicherheitskonzept für die Veranstaltung überarbeitet. Es sollen doppelt so viele Beamte im Einsatz sein wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr. »Hamburg freut sich auf einen bunten und fröhlichen CSD und setzt damit ein klares Zeichen für Vielfalt und Zusammenhalt in unserer Stadt«, sagte Innensenator Andy Grote (SPD).

In Berlin hatte der islamistische Attentäter Abdul Ballout am vergangenen Samstag mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau aus Polen starb, 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der 21-Jährige wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz erschossen.

Der Sprecher von Hamburg Pride, Manuel Opitz, erklärte, man wolle sich durch den Anschlag nicht einschüchtern lassen. »Wir als queere Community können uns in unserem Schmerz auf dem CSD gegenseitig Kraft geben.«

Auf dem Christopher Street Day in Bonn begann das Bühnenprogramm am frühen Nachmittag mit einer Schweigeminute. »Ihr wisst alle, was in Berlin passiert ist. Das hat uns alle sehr geschockt«, sagte Vorstandsmitglied Claudia Brenig vom CSD-Veranstalter Rheinqueer. »Wir sind heute auch in Gedanken bei den Opfern, bei der verstorbenen Frau und bei allen, die verletzt wurden und in Berlin traumatisiert wurden.«

Niederländischer Premier: LGBTIQ-Gemeinschaft weltweit unter Druck

In Amsterdam findet am Samstag die traditionelle »Canal Parade« mit 80 bunt geschmückten Booten statt – einer der Höhepunkte der diesjährigen World Pride. Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten rief junge LGBTIQ-Personen bei der Veranstaltung auf, sich offen zu bekennen.

Ein Coming-out sei nicht einfach, »aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser«, sagte Jetten laut der Nachrichtenagentur ANP. Der 39-Jährige ist der jüngste Regierungschef der Niederlande und der erste, der offen homosexuell lebt.

Bootsparade in Amsterdam

Bootsparade in Amsterdam

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS
Premier Jetten in Amsterdam

Premier Jetten in Amsterdam

Foto: Sem van Der Wal / AFP

Die Amsterdamer Parade sei ein großartiges Fest voller Freiheit und Spaß, sagte Jetten. Zugleich sei es wichtig, gegen Anfeindungen zu protestieren. »Das hat man beim Anschlag in Berlin letzte Woche gesehen.« Die LGBTIQ-Gemeinschaft stehe weltweit unter Druck, sagte Jetten.

Die mehrtägige World Pride gilt als das größte Event der weltweiten queeren Gemeinschaft und findet erstmals in den Niederlanden statt. Allein zum Amsterdamer Bootskorso wurden laut Veranstaltern rund 500.000 Besucher erwartet. Auch im britischen Seebad Brighton und an weiteren Orten waren Paraden geplant.

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Der Christopher Street Day wird weltweit gefeiert. Die Bewegung geht auf Ereignisse im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in der Szenebar Stonewall Inn kam es damals zum Aufstand von Schwulen und Lesben. Hauptschauplatz von Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstlerviertel Greenwich Village von New York.

ahh/dpa/KNA