So aktuell wie in diesem Jahr war der bundesweite Warntag selten. Experten stuften die Bedrohungslage in Deutschland als hoch ein: Energieversorger wehren Hackerangriffe ab, über Kasernen und Industrieanlagen werden Drohnen gesichtet, und Sprengstoffanschläge sollen möglichst verhindert werden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte, es bestehe jederzeit das Risiko von Anschlägen.
An diesem Donnerstag wird daher erneut getestet, wie gut Deutschland bei der Alarmierung aufgestellt ist. »Im Grunde simulieren wir damit einen Ernstfall: Kommt die Warnung an? Und wissen die Menschen, was sie damit anfangen sollen?«, erklärt das Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Erfahrungen seien wertvoll, weil sie zeigten, wo man besser werden könne.
Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wer löst die Warnung aus?
Das passiert zentral, über das modulare Warnsystem des Bundes. Das ist ein öffentliches Warn- und Kommunikationssystem für den Notfall, das vor allem auf die Datenübertragung per Satellit setzt, zur Sicherheit aber auch über Kabel. Daneben können Kommunen eigene Warnkanäle testen.
Gegen 11.45 Uhr wird dann eine Entwarnung gesendet. »Für die Bevölkerung ist es ebenso wichtig, zu erfahren, wenn eine Gefahr vorbei ist«, heißt es vom BBK. Eine verlässliche Entwarnung stärke das Vertrauen in das System.
Welche Warnwege gibt es?
Der Alarm wird über Sirenen, digitale Anzeigetafeln, Apps auf dem Handy, den UKW-Rundfunk, das Digitalradio und die Technologie Cell Broadcast verbreitet. Daneben können auch Lautsprecherwagen auf den Alarm hinweisen. Ob das passiert, ist Entscheidung der Kommunen.
Ein an- und abschwellender Sirenenheulton bedeutet Warnung. Ein heulender Dauerton signalisiert das Ende des Probealarms beziehungsweise im Ernstfall, dass die Gefahr vorbei ist.
Wie viele Sirenen gibt es in Deutschland?
Einen zentralen Überblick gibt es nicht, weil die Länder und Kommunen die Sirenen unterhalten. Das BBK weiß von rund 48.000 aktiven Sirenenstandorten. Hinzu kommen mobile Sirenen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges hielt man Sirenen, die vor feindlichen Angriffen oder anderen Gefahren warnen, vielerorts für unnötig. Inzwischen gibt es ein Umdenken, unter anderem wegen der Erfahrungen bei der verheerenden Flut im Ahrtal 2021 und wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Die Teilnahme am Warntag ist freiwillig. Es kann also sein, dass Kommunen zwar über Sirenen verfügen, diese aber nicht auslösen – oder es keine Sirene in der Nähe gibt. Im vergangenen Jahr wurden laut BBK 66 Prozent der Menschen in Deutschland über eine Sirene erreicht. Damit ist der Anteil gestiegen.
Seit 2021 unterstützt der Bund die Errichtung, Reparatur und Modernisierung von Sirenen. Im vergangenen Jahr wurden laut BBK im Rahmen des Förderprogramms rund 11.868.700 Euro zur Errichtung von Sirenen abgerufen. Im laufenden Jahr wurden demnach bisher rund 4.089.800 Euro in den Ausbau der Sireneninfrastruktur investiert.
Wie funktioniert Cell Broadcast?
Bei Cell Broadcast geht die Warnung an alle dafür vorbereiteten Handys in einer bestimmten Funkzelle. Damit werden auch Touristen und andere Menschen mit ausländischen Mobilfunknummern erreicht, die sich gerade in Deutschland aufhalten. Das Verfahren ist – anders als etwa ein Versand per SMS – laut BBK anonym; Mobilfunknummern oder andere Daten der Empfänger müssen nicht bekannt sein.
In diesem Jahr werden über Cell Broadcast erstmals auch Entwarnungen verschickt. Das funktioniert laut BBK seit Ende November vergangenen Jahres.
Außerdem wird in diesem Jahr auch über das Digitalradionetz DAB+ gewarnt. Der Automatic Safety Alert soll Hörerinnen und Hörer auch dann erreichen, wenn Mobilfunk und Internet nicht funktionieren – und dazu bei Bedarf auch Radios im Stand-by-Betrieb anschalten. Das System soll ab diesem Monat eingeführt werden.
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Was können die Menschen selbst tun?
Wenn man Warnungen erhalten will, ob bei Probealarmen oder im Ernstfall, sollte das Handy eingeschaltet sein und sich nicht im Flugmodus befinden. Zudem rät die Bundesregierung dazu, das Betriebssystem aktuell zu halten.
Daneben gibt es spezielle Warn-Apps wie Nina. Dabei ist es wichtig, einen Ort anzugeben, zu dem man Hinweise erhalten will. Das können auch Hinweise zu ganz lokalen Vorfällen wie Bränden sein.
