SpOn 15.09.2026
11:42 Uhr

Bundeslagebild 2025: Gewalt als Dienstleistung, ausgeführt von Minderjährigen


Das BKA registriert mehr Tötungs- und Körperverletzungsdelikte, mehr Tatverdächtige und mehr bewaffnete Verdächtige in der Organisierten Kriminalität. Innenminister Dobrindt warnt, dass »crime as a service« zur Regel werde.

Bundeslagebild 2025: Gewalt als Dienstleistung, ausgeführt von Minderjährigen

Die Gewalt im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) hat 2025 zugenommen. Das geht aus dem Bundeslagebild Organisierte Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr 20 vollendete Tötungsdelikte und 100 Fälle vollendeter Körperverletzung erfasst. Im Vorjahr waren es 13 Tötungsdelikte und 77 Körperverletzungsdelikte.

Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen OK-Gruppierungen stieg 2025 auf 683 und damit auf den höchsten Stand seit 2021. Die Zahl der Tatverdächtigen nahm um mehr als 13 Prozent auf 7988 zu. Der erfasste Schaden stieg auf 2,78 Milliarden Euro.

»Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu«

Bei der Vorstellung des Bundeslagebildes warnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) davor, Gewalt werde zunehmend als Dienstleistung angeboten. »Crime as a service« werde zur Regel. Auftraggeber und Ausführende begegneten sich häufig überhaupt nicht. »Nach dem Prinzip: Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu«, sagte Dobrindt. Besonders perfide sei, dass auch Minderjährige zunehmend für Verbrechen eingesetzt würden, als sogenannte Wegwerftäter.

Laut BKA sind unter den angeheuerten Tätern auch 13-Jährige. Kriminelle Netzwerke hätten sich zudem stärker digital vernetzt, sie agierten international und arbeitsteilig. Die Aufträge für Gewalttaten in Deutschland kämen oft aus dem Ausland, über verschlüsselte Kanäle in den sozialen Medien. BKA-Präsident Holger Münch sagte: »Es ist nicht mehr nur die Frage, wer hat die Tat begangen, sondern wer hat sie bestellt, wer hat sie vermittelt, wer hat sie finanziert, wer profitiert davon.« Spuren zu den Drahtziehern führten vom Westbalkan bis nach Südamerika, »und bis in die Luxusresorts von Dubai«.

Ermittlungsverfahren wegen Rauschgiftkriminalität machten im vergangenen Jahr erneut den größten Anteil der OK-Verfahren aus. Dobrindt sagte: »Wir erleben eine Kokainflut in Deutschland.« Der Innenminister verwies auf einen gemeinsamen Aktionsplan mit dem Justiz- und dem Finanzministerium. Man wolle die OK dort treffen, wo sie am empfindlichsten sei: beim Geld.

Zum dritten Mal in Folge stieg 2025 der Anteil der bewaffneten Tatverdächtigen. Er lag bei 5,8 Prozent. Insgesamt wurden im OK-Kontext 556 Waffen aufgefunden, drei Viertel davon waren illegal, die Tatverdächtigen hatten für deren Besitz also keine waffenrechtliche Erlaubnis.

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Das BKA teilte mit, während Abschottung lange ein Kennzeichen der OK gewesen sei, inszenierten insbesondere jüngere kriminelle Akteure Macht, Status und Gewalt zunehmend in sozialen Medien. Unter den 2025 knapp 8000 ermittelten Tatverdächtigen waren 2722 deutsche Staatsangehörige. In knapp einem Drittel der OK-Verfahren stellte das BKA tatverdächtige Zuwanderer fest.

Als Herausforderung im Kampf gegen die Drogenkriminalität bezeichneten Dobrindt und BKA-Präsident Münch das Aufspüren neuer Schmuggelwege. Das Rauschgift käme auf dem Seeweg – etwa vor den Küsten Portugals und Spaniens – immer öfter mit Schnellbooten nach Europa. Diese seien unauffällig und schwer zu entdecken, mit 1500 PS starken Motoren ausgestattet und aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit nicht leicht zu stoppen. Die Einsätze der Drogenfahnder seien sehr gefährlich. Um einer Festnahme zu entgehen, würden Händler des Rauschgifts mitunter mit Kriegswaffen auf Polizisten schießen.

Auf dem Festland werden die Drogen laut BKA immer häufiger in aufwendig umgerüsteten Autos transportiert. Ohne Kenntnis der jeweiligen Spezialkonstruktion seien die Verstecke kaum aufzuspüren. Spezialisten des BKA zeigten Dobrindt und Münch ein Versteck unter dem Kofferraum eines Mittelklassewagens. Es ließ sich aufgrund einer nachträglich eingebauten Spezialschaltung nur bei eingelegtem Rückwärtsgang, eingeschalteter Heckscheibenheizung und Drücken eines in einer Fensterabdichtung versteckten Knopfes öffnen. In solchen Verstecken lassen sich laut BKA bis zu 50 Kilogramm Kokain transportieren. Allein in Deutschland seien mehrere Tausend solcher professionell umgebauten Fahrzeuge unterwegs.

Anmerkung der Redaktion: Die letzten beiden Absätze sowie die Zitate des BKA-Präsidenten wurden nachträglich ergänzt.

ukr/boc/dpa