Der Streit über die Rückkehr Russlands zur Kunstbiennale in Venedig spitzt sich weiter zu. Italiens Kulturminister Alessandro Giuli fordert von der Biennale-Stiftung umfassende Aufklärung über Kontakte zu russischen Behörden im Zusammenhang mit der geplanten Teilnahme des Landes, wie das italienische Kulturministerium mitteilt .
Giuli verlangte Einsicht in die gesamte Korrespondenz zwischen der Stiftung und offiziellen Stellen in Moskau. Außerdem wolle sein Ministerium wissen, wie eine Beteiligung Russlands mit den geltenden internationalen Sanktionen vereinbar sein soll.
Die Biennale von Venedig gilt als eine der bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit. Erstmals seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 soll Russland in diesem Jahr wieder seinen nationalen Pavillon bespielen.
Kritik aus der Ukraine und der EU
Die Entscheidung sorgt international für heftige Reaktionen. Vor allem aus der Ukraine kommt scharfe Kritik. Gleichzeitig hat die Europäische Kommission Fördergelder infrage gestellt: rund zwei Millionen Euro.
Zudem haben die Regierungen von 22 europäischen Staaten die Organisatoren dazu aufgerufen, die Teilnahme Russlands noch einmal zu überdenken. Italien gehört allerdings nicht zu den Unterzeichnern des Appells.
Interner Streit im italienischen Kulturministerium
Inzwischen verschärft das Kulturministerium in Rom jedoch selbst den Ton. Giuli fordert die Vertreterin seines Hauses im Verwaltungsrat der Biennale, Tamara Gregoretti, auf, ihr Mandat »wegen mangelnden Vertrauens« niederzulegen.
Sie habe ihn über die Entscheidung zur Zulassung Russlands nicht rechtzeitig informiert. Gregoretti hat jedoch angekündigt, nicht zurücktreten zu wollen.
Prüfung der Sanktionen angekündigt
Gleichzeitig hat Giuli betont, dass die Biennale-Stiftung ihre Entscheidungen grundsätzlich unabhängig von der Regierung treffe. Dennoch werde derzeit »sorgfältig geprüft«, ob die angekündigte russische Teilnahme mit den Verpflichtungen aus dem bestehenden Sanktionsregime vereinbar sei.
Nach einem Telefonat mit seiner ukrainischen Amtskollegin Tetjana Bereschna hat Giuli außerdem erklärt, man wolle der »putinschen Kulturpropaganda in Italien« entgegenwirken.

