SpOn 13.10.2026
16:19 Uhr

Beschlagnahmung bei der »Zeit«: Chefredakteur Giovanni di Lorenzo fühlte sich unter Druck gesetzt


Die Herausgabe von Mitschnitten zum Fall Block sei nicht freiwillig geschehen, sagt Giovanni di Lorenzo. Seine Redaktion sei unter Druck gesetzt worden.

Beschlagnahmung bei der »Zeit«: Chefredakteur Giovanni di Lorenzo fühlte sich unter Druck gesetzt

Der Chefredakteur der »Zeit«, Giovanni di Lorenzo, hat eine Schilderung des Hamburger Landgerichts zu den beschlagnahmten Tonaufzeichnungen  im Fall Block zurückgewiesen. Die Aussage, dass eine Kollegin diese freiwillig herausgegeben habe, sei grotesk, sagte di Lorenzo der Nachrichtenagentur dpa in einem schriftlich geführten Interview.

»Wir sind stark unter Druck gesetzt worden: Mit der Übergabe konnten wir eine Durchsuchung abwenden und immerhin vermeiden, dass noch viel mehr Unterlagen und Material beschlagnahmt werden«, sagte di Lorenzo. Er könne sich in seiner Amtszeit als Chefredakteur an keinen vergleichbaren Übergriff erinnern. Di Lorenzo steht seit 2004 an der Spitze der Wochenzeitung.

In einer Mitteilung des Landgerichts hatte es am Montag geheißen, dass die betroffene Journalistin »die geforderten Gegenstände freiwillig herausgegeben« habe. Di Lorenzo sprach von insgesamt 80 Stunden Gesprächsmaterial, die nun öffentlich werden könnten. Es geht um Aufnahmen für den Podcast »House of Block«, für den die »Zeit« unter anderem mit der jüngsten Tochter von Christina Block gesprochen hatte.

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Nach Angaben der »Zeit« waren am Montagmorgen Ermittler der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamts in das Hamburger Verlagshaus gekommen und hatten damit gedroht, die Redaktionsräume zu durchsuchen. Ein Mitarbeiter des Verlags habe dann laut einer Gerichtssprecherin gesagt, dass die betroffene Redakteurin die Tonaufnahme auf richterliche Anordnung herausgeben würde. Daraufhin erließ das Gericht einen entsprechenden Beschluss für die Berliner Wohnung der Journalistin.

Grundlage der Beschlagnahme war offenbar ein Beschluss der 32. Großen Strafkammer des Hamburger Landgerichts. Diese verhandelt aktuell die Hauptverhandlung gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block, ihren Lebensgefährten Gerhard Delling und fünf weitere Angeklagte.

Was bei der »Zeit« geschehen ist, sei alarmierend, schreibt SPIEGEL-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit: »Stirbt die Pressefreiheit, stirbt die liberale Demokratie.« Lesen Sie hier seinen Kommentar .

esw/dpa