SpOn 23.09.2026
18:55 Uhr

Berliner Linke: Gysi warnt vor CDU-Koalition – Throm will Beobachtung durch Verfassungsschutz prüfen


Auf Initiative der AfD kamen Abgeordnete aller Fraktionen zu einer Aussprache im Bundestag zusammen. Thema: der Antisemitismusverdacht in der Berliner Linken. Von allen Seiten hagelte es Kritik.

Berliner Linke: Gysi warnt vor CDU-Koalition – Throm will Beobachtung durch Verfassungsschutz prüfen

Wenige Tage nach ihrem Wahlsieg in Berlin ist die Linkspartei wegen Clankontakten und Antisemitismusvorwürfen in die Defensive geraten. Die AfD hatte eine Aktuelle Stunde im Bundestag verlangt. Dabei warfen Abgeordnete der Fraktionen von Union, SPD, Grünen und AfD der Linken eine mangelnde Abgrenzung zu Antisemiten vor. Die Politiker warnten vor einer Unterwanderung durch die Organisierte Kriminalität. (Lesen Sie hier mehr zu den Vorwürfen. ) Die Linke wertete die Kritik als Manöver, sie nach dem Wahlsieg von der Übernahme der Landesregierung in Berlin abzuhalten.

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Die CDU brachte eine Beobachtung des Berliner Landesverbands der Linken durch den Verfassungsschutz ins Spiel. Wegen Clankontakten von Linkenpolitikern und antisemitischer Vorfälle müsse »ernsthaft« geprüft werden, »ob zumindest die Berliner Linkspartei wieder Anlass gibt, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden«, sagte der Innenexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm (CDU), in der Debatte. Der Innenausschuss des Parlaments habe bereits über diese Frage beraten.

Der SPD-Innenexperte Sebastian Fiedler warf die Frage auf: »Warum finden Akteure aus solchen Milieus immer wieder Anschluss an das politische Umfeld der Berliner Linken?« Die Organisierte Kriminalität suche gezielt Einfluss auf die Politik, »weil Kontakte Türen öffnen, weil Informationen einen Wert haben, weil politische Bekanntschaften Ansehen verschaffen, weil ein Foto Reputation erzeugen kann und weil Kontakte Tarnstrukturen und Geschäfte erleichtern«. Die Gefahr dabei sei, dass »aus Kontakt ein Zugang, aus einem Zugang Einfluss und aus Einfluss irgendwann Abhängigkeit werden kann«, sagte Fiedler.

Die Linksfraktion schickte den früheren Vorsitzenden Gregor Gysi als einzigen Redner in die Debatte. »Selbstverständlich hat unser Abgeordneter Ferat Koçak einen Fehler begangen, wir untersuchen das«, sagte der 78-Jährige. »Aber worum geht es in Wirklichkeit? Die CDU möchte in Berlin wieder den Regierenden Bürgermeister stellen – sie wollen, dass Berlin so schlecht weiterregiert wird wie bisher, aus kleinbürgerlichem Machtdünkel.« Gysi warnte davor, die bei der Wahl siegreiche Berliner Linke zu umgehen und in eine Koalition unter CDU-Führung einzutreten.

»Wenn sich die SPD darauf einlassen sollte, dann sage ich Ihnen: Wenn Sie keinen Mut zu einem Linksbündnis haben, werden Sie weiter verdorren.« Den Vorwurf des Antisemitismus gegen seine Partei wies Gysi zurück: »Hören Sie auf, den Antisemitismus zu missbrauchen und gegen die Linke zu hetzen. Wer den Antisemitismus instrumentalisiert, kann ihn nicht wirksam bekämpfen.«

Die Grünenabgeordnete Irene Mihalic rief die Linksfraktion auf, sich konsequent von dem Abgeordneten Koçak zu trennen und gegen Antisemiten in den eigenen Reihen vorzugehen. »Lippenbekenntnisse und nachträgliche Distanzierungen reichen nicht«, sagte sie. »Wenn es die Linke also mit dem Kampf gegen Antisemitismus wirklich ernst meint, dann darf sie ihn nicht in ihren Reihen dulden, sondern muss konsequent und glaubhaft dagegen vorgehen.«

Auch der AfD-Innenexperte Gottfried Curio, dessen Fraktion die Aktuelle Stunde beantragt hatte, richtete schwere Vorwürfe gegen die Linke. »Kriminelle Judenfeinde und Islamisten wollen in Berlin, schon demografisch, endlich eine Interessenvertretung – und diese Partei, die Linke, will liefern«, sagte er. Eine Regierung durch die Linke führe zu einer »kompletten Aushöhlung der Sicherheitsstrukturen in der Stadt, die als Schwerpunkt Organisierter Kriminalität und migrantischer Clanstrukturen gilt«.

atr/AFP