SpOn 08.07.2026
13:39 Uhr

Berlin: Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt


Ein Mediziner musste sich in Berlin vor Gericht verantworten, weil er mehrere Patienten getötet haben soll. Nun endete der Prozess mit der Höchststrafe.

Berlin: Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Landgericht Berlin hat einen Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes von Patienten zur Höchststrafe verurteilt. Es verhängte gegen den 41-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Zudem wurde eine Sicherungsverwahrung nach der Haftstrafe angeordnet und ein lebenslanges Berufsverbot verhängt.

Das Gericht zeigte sich nach der Beweisaufnahme überzeugt, dass der Mediziner zwölf Frauen und drei Männer bei Hausbesuchen getötet hatte, indem er ihnen ein Gemisch aus mehreren Medikamenten verabreichte. Sein jüngstes Opfer war eine 25-Jährige, das älteste eine 94 Jahre alte Frau. Alle waren schwerstkrank, ihr Tod stand aber nicht unmittelbar bevor.

Überraschendes Geständnis

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich gegen eine Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und gegen eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haft ausgesprochen.

Nach monatelangem Schweigen hatte der Arzt überraschend am 25. Juni gestanden, zwölf schwer kranke Patientinnen und Patienten bei Hausbesuchen getötet zu haben. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten »Leid und Siechtum« zu ersparen, hieß es in seiner Erklärung. Zum Abschluss des Prozesses bat er erneut die Hinterbliebenen um Entschuldigung.

Der Arzt, der verheiratet ist und einen Sohn im Grundschulalter hat, sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die er gelegt haben soll, um Tötungen von Patienten zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Die Ermittlungen führten dann zu dem Verdacht, dass die Taten noch schwerwiegender waren. Dazu beigetragen haben laut Staatsanwaltschaft Hinweise des Pflegedienstes , für den der Mediziner gearbeitet hatte.

Weitere Anklage geplant

Für den Fall richtete das Berliner Landeskriminalamt eine Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein. Sie wertete Hunderte Patientenunterlagen aus. Im April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage in 15 Fällen gegen den in Frankfurt am Main geborenen Mann.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben in 76 weiteren Fällen und geht von einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr aus. Mit Blick darauf kündigte der Arzt in seinem sogenannten letzten Wort vor Gericht an: »Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.«

Der Fall könnte einer der größten bundesweit sein. Bislang gilt eine Mordserie in Niedersachsen als die wohl größte der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ex-Pfleger Niels Högel  wurde 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Motiv für die Taten blieb unklar. Es sei ihm um die »Gier nach Spannung« gegangen, so das Gericht damals. Zuvor war Högel bereits wegen weiterer Morde verurteilt worden.