SpOn 11.03.2026
15:21 Uhr

Benzin und Diesel: Das können Sie angesichts der hohen Spritpreise tun


Krisen und Kriege lassen die Kosten für Benzin und Diesel in schwindelerregende Höhen steigen. Welche Möglichkeiten haben Autofahrer, mit der Preisexplosion an der Zapfsäule umzugehen? Der Überblick.

Benzin und Diesel: Das können Sie angesichts der hohen Spritpreise tun

Man kann es ja nicht ändern: Der Krieg der USA und Israels gegen Iran, dessen Beschuss weiterer Staaten in der Golfregion und die damit verbundene Sperrung der Straße von Hormus haben massive Auswirkungen an der Zapfsäule. Allein schon das preiswerte E10 liegt derzeit oft jenseits der Zwei-Euro-Marke für einen Liter, Diesel ist noch mal deutlich teurer. Ob die Preise in absehbarer Zeit wieder sinken, ist die eine Frage – die andere, was Autofahrerinnen und Autofahrer tun können, um mit dem Problem umzugehen. Dies sind die wichtigsten Tipps und die Antworten auf die drängendsten Fragen.

Lieber abends tanken als morgens – gilt das eigentlich noch?

Das tägliche Hoch und Runter der Preise an der Zapfsäule ist bekannt – der Bundesrat sprach im vergangenen Jahr in einer Entschließung von durchschnittlich 18 Preisänderungen am Tag, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will das jetzt ändern, dafür muss aber das Kartellrecht geändert werden. Einen Zeitplan gibt es bisher nicht. Laut ADAC sind die Preise morgens oft deutlich teurer als am Abend , am günstigsten ist das Tanken den Angaben des Automobilclubs zufolge oft in der Zeit zwischen 19 und 20 Uhr.

Allerdings hat die aktuelle Krise die Preisgestaltung vieler Tankstellen auf den Kopf gestellt. »Es gibt über den Tag verteilt viele Täler und Berge. Und zuletzt wurden die Täler ab und zu einfach mal ausgelassen«, sagt Constantin Hack dem SPIEGEL. Allerdings beobachtet der Experte vom Auto Club Europa (ACE) zumindest in dieser Frage eine Normalisierung. »Wir sind in einer Zwischenphase.« Es sei absehbar, dass es bald wieder das normale Spiel zwischen Preisspitzen und -senkungen über den Tag gebe. Das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, solange die von Reiche angekündigte Begrenzung von Spritpreiserhöhungen auf einmal pro Tag noch nicht greift.

Was ist von Tank-Apps zu halten?

Ob als eigenständige App oder als in einen Dienst wie Google Maps integriertes Feature: Apps, die den aktuellen Preis von Benzin, E10 und Diesel an umliegenden Tankstellen anzeigen, existieren in großer Zahl. Qualitätsunterschiede gibt es dabei nicht wirklich, denn die Apps nutzen für die Basisinformation Daten der Markttransparenzstelle des Kartellamts. Die etwa 15.000 Tankstellen in Deutschland sind verpflichtet, jede Preisänderung binnen fünf Minuten zu melden.

Auch weitergehende Features wie Preisverläufe oder Prognosen sind zumeist Standard. Und in diesem Vorteil liegt zugleich ein Nachteil: »Für Verbraucher ist es möglich, aufgeklärt zu sein. Aber es kostet eben Zeit«, sagt Constantin Hack vom ACE. Anders gesagt: Wer das Maximum an Ersparnis herausholen will, der muss sich auch regelmäßig den Freiraum nehmen, tiefer in die Daten einzusteigen. Mit weniger Arbeit weniger sparen geht natürlich auch – also: Preise immer nur dann vergleichen, wenn man ohnehin bald tanken muss. Immerhin gibt es hier eine simple Faustregel für Bequeme: »Günstige Tankstellen bleiben meistens günstig, teure bleiben meistens teuer«, sagt Hack.

Wie geht spritsparendes Fahren – und wie viel bringt es?

Es klingt so einfach: Einfach den Fahrstil ein wenig anpassen und schon ist viel rausgeworfenes Geld wieder drin. Tatsächlich gibt es viele Möglichkeiten, ein Fahrzeug sparsamer zu fahren, als es die meisten Menschen tun. Dazu gehören etwa das Fahren in einem hohen Gang und mit einer passenden Geschwindigkeit: Je nach Motor liegt das Optimum des Verbrauchs außerorts im höchsten Gang zwischen 60 und 80 Kilometer pro Stunde. Wer langsamer fährt, verbraucht mehr. Wer schneller fährt, auch. Vor allem das Fahren jenseits der 120 Kilometer pro Stunde treibt den Verbrauch in die Höhe. Selbstverständlich kosten auch Features wie Klimaanlage oder Sitzheizung Extraenergie (eine umfassende Auflistung, wie Sie Ihren Fahrstil auf sparsam trimmen, finden Sie hier ).

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Ein Verbrauchstipp, der vielen Menschen nicht bewusst ist, ist ACE-Experte Hack zufolge das Fahren mit Tempomat auf der Autobahn. »Das liegt daran, dass man mit dem Fuß immer ganz leicht zittert, was auf dem Gaspedal Mikrobeschleunigungen nach sich zieht – und die summieren sich.« Mit dem Tempomat falle dieses Problem weg. Insgesamt schätzt Hack, dass sich mit einer signifikanten Änderung des Fahrstils der Verbrauch um 10 bis 20 Prozent senken lässt – also um etwa jenen Betrag, den Sprit sich zuletzt verteuert hat.

Wenn Sprit so viel kostet – sind dann wenigstens die Straßen freier?

Eine ganz andere Perspektive könnten die hohen Spritpreise vielleicht Menschen eröffnen, die sich den Anstieg leisten können. Der Gedankengang dahinter ist folgender: Wenn viele andere Menschen ihr Auto öfter stehen lassen, ist man selbst dann vielleicht schneller unterwegs? Weniger Mitfahrer dürften schließlich auch weniger Staus bedeuten.

Schon ein Blick auf historische Vergleichsdaten zeigt, dass diese Annahme offenbar nicht zutrifft: So gab es zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine auf deutschen Straßen weder signifikante Änderungen in der Zahl der insgesamt zurückgelegten Kilometer noch in den erzielten Geschwindigkeiten . Auch damals stiegen die Spritpreise erheblich. Im Gegenteil: Die einzige Phase, in welcher in den vergangenen Jahren signifikant weniger Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs waren als üblich, war ausgerechnet eine, in der die Spritpreise vergleichsweise niedrig waren – nämlich während der Coronapandemie, als viele Menschen im Homeoffice arbeiteten.

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»Die Leute haben ihre Gründe, weshalb sie Auto fahren«, sagt Constantin Hack dazu. Auch die dem ACE vorliegenden Daten würden eine solche These aktuell nicht stützen. »Im Gegenteil: Wir hatten an den vergangenen Wochenenden super Wetter. Dann sind immer besonders viele Leute unterwegs.«

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde ein Bild gezeigt, das nachträglich geprüft werden muss. Wir haben es deshalb vorerst ausgetauscht.