SpOn 08.10.2026
13:25 Uhr

August Hanning: Ex-BND-Chef soll Kontakte zu chinesischem Geheimdienstmann gepflegt haben


Bei den Ermittlungen gegen den ehemaligen Präsidenten des BND verfolgen Fahnder nach SPIEGEL-Recherchen eine Spur nach China: Hat August Hanning sensible Informationen an einen Angehörigen des chinesischen Geheimdienstapparats weitergegeben?

August Hanning: Ex-BND-Chef soll Kontakte zu chinesischem Geheimdienstmann gepflegt haben

Die Verrats-Vorwürfe gegen den ehemaligen Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, betreffen auch dessen Kontakte in die Volksrepublik China. Das bestätigten mehrere mit dem Fall vertraute Quellen dem SPIEGEL.

Demnach untersuchen Ermittler, ob der 80-jährige Ex-Beamte, der nach seiner Pensionierung als privater Berater tätig war, sensible Informationen mit einem Mann aus dem chinesischen Geheimdienstapparat geteilt hat.

Die Bundesanwaltschaft, die gegen Hanning unter anderem wegen des Verdachts auf versuchten Landesverrat  ermittelt, wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern.

Nahezu 2000 interne BND-Dokumente weitergeben

Die Behörde hatte Hanning sowie seinen früheren Büroleiter Manfred D., 64, am Dienstag verhaften lassen. Den Ermittlungen zufolge soll D. seinen einstigen Chef Hanning nach dessen Ausscheiden aus dem Bundesnachrichtendienst (BND) jahrelang mit vertraulichen Dokumenten aus der BND-Leitungsebene versorgt haben.

»Die Informationen sollte der Beschuldigte Hanning im Rahmen seiner zwischenzeitlich aufgenommenen privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten können«, so die Bundesanwaltschaft. Bis Juni 2022 hätte D. »annähernd 2000 Dokumente« an Hanning geliefert, »darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Informationen«.

Razzia an Hannings Wohnaus am 6. Oktober

Razzia an Hannings Wohnaus am 6. Oktober

Foto: Christoph Reichwein / dpa

Wie der in die Privatwirtschaft gewechselte Ex-BND-Chef das Geheimmaterial verwendete, ist Gegenstand laufender Ermittlungen. In einem Fall habe er die eingestuften Erkenntnisse laut Bundesanwaltschaft dazu genutzt, »um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen«. Nach SPIEGEL-Recherchen handelte es sich dabei um einen Geheimdienstmann Aserbaidschans. Ob das von Hanning erstellte Dossier den Adressaten tatsächlich erreichte, wird derzeit geprüft.

»Intensiver Austausch« mit chinesischem Geheimdienstmann?

Zudem, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft, habe Hanning »in einem intensiven Austausch mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendienstes« gestanden und diesen »über mehrere Jahre hinweg mit politischen Informationen« versorgt – teilweise »basierend auf Material, das er von Manfred D. erhalten hatte«. Für welchen Staat Hannings mutmaßlicher Geheimdienst-Kontaktmann tätig war, teilte die Behörde nicht mit.

Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich um China. Nach seiner Pensionierung reiste der ehemalige BND-Chef mehrfach in die autoritär regierte Volksrepublik. Dort kennt Hanning einen hochrangigen Militär und Diplomaten, der lange in Deutschland gedient hat: Wang Jianzheng, Generalmajor außer Dienst. Wang war von 1987 bis 1990 an der chinesischen Vertretung in Ost-Berlin eingesetzt. Zweimal kehrte er später nach Deutschland zurück, zuletzt als Militärattaché bis 2013. Er gilt als einer der besten Deutschlandkenner des chinesischen Apparats.

Dank für »Hinweise und Erläuterungen«

Im Ruhestand beschäftigte sich der Offizier weiter mit deutscher Politik. Er übersetzte Hans Modrows Erinnerungen und führte den vorletzten DDR-Regierungschef 2018 durch China. »Genosse Wang« sei ein alter Freund, sagte Modrow damals. Auch ein Gesprächsbuch mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übertrug Wang ins Chinesische. Im Vorwort vom Juli 2017 bedankte sich Wang ausdrücklich bei Hanning für »Hinweise und Erläuterungen«.

Ebenfalls 2017 trafen sich der Ex-BND-Chef und der chinesische General offenbar bei einem offiziellen Empfang in der ostchinesischen Stadt Huaibei. Laut Stadtchronik ging es unter anderem um Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung. Auf dem Programm standen demnach auch Besuche bei örtlichen Unternehmen, die Hanning und Wang gemeinsam absolvierten.

Noch 2023 sind die Namen der beiden auf der Teilnehmerliste einer Europa-China-Konferenz gelistet. Zudem gehörte das Duo dem Beratergremium eines deutsch-chinesischen Ökoparks in Qingdao an; Wang wird dort inzwischen als Ehrenmitglied geführt.

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Zur Frage, ob Hannings Verbindung zu Wang Gegenstand des Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft ist, wollte sich die Behörde auf Anfrage nicht äußern.

Hannings Verteidiger Leon Kruse wies die Vorwürfe des Generalbundesanwalts unterdessen zurück: »Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt«, erklärte Kruse gegenüber dem SPIEGEL. Zwar sei Hanning im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen. »Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben.« Das würden »die weiteren Ermittlungen« zeigen.

Die Verteidigung von Hannings früherem Büroleiter Manfred D. ließ SPIEGEL-Anfragen zu den Vorwürfen bislang unbeantwortet, Familienangehörige wollten sich nicht äußern.