SpOn 08.10.2026
16:59 Uhr

Amazon stellt seine ersten echten Android-Tablets vor


Das Feuer von Fire OS erlischt: Amazon setzt bei einer Reihe neuer Tablets nicht mehr auf seine eigene Android-Variante. Zugleich verabschiedet sich der Konzern aus dem Billigsegment und greift Apples iPads an.

Amazon stellt seine ersten echten Android-Tablets vor

Fire OS war gestern: Amazons neue Tablets setzen voll auf Googles Betriebssystem Android. Dadurch kann man Apps nun direkt aus Googles Play Store herunterladen, statt nur aus Amazons App-Shop. Die frischen Modelle tragen den Namen Alexa Tablet – weil Amazons Assistenzsoftware tief integriert ist.

Seine bisherigen Fire-Tablets mit Fire OS als Betriebssystem will Amazon zunächst weiter unterstützen. Bei Fire OS handelt es sich um eine Amazon-eigene Android-Variante, die ohne Google-Dienste auskommt.

Das neue Flaggschiff-Modell des US-Konzerns ist das Alexa Tablet 12 Pro. Es hat ein Display mit einer Diagonalen von zwölf Zoll und einem 3:2-Seitenverhältnis. Den Bildschirm gibt es auch in einer mattierten Variante, die Lichtspiegelungen verhindern soll. Amazon arbeitete mit dem Glas-Spezialisten Corning zusammen, um ein Photolithografie-Verfahren zu entwickeln, bei dem eine Textur direkt ins Displayglas eingebracht wird. Die Idee ähnelt Apples Nanotextur-Displays, die gegen Aufpreis für einige Produkte des iPhone-Konzerns verfügbar sind.

Das neue Vorzeigegerät: Das Alexa Tablet 12 Pro kostet je nach Displaywahl mindestens 499,99 Euro oder 559,99 Euro

Das neue Vorzeigegerät: Das Alexa Tablet 12 Pro kostet je nach Displaywahl mindestens 499,99 Euro oder 559,99 Euro

Foto: Amazon

Alexa an Bord

Alexa+, die Abovariante von Amazons Assistenzsoftware, kann den Bildschirminhalt erfassen und analysieren – und im Auftrag der Nutzer entsprechend aktiv werden. Die Idee dahinter ist, dass Alexa zum Beispiel helfen kann, ein Produkt, das man in einem Onlinevideo sieht, bei Amazon zu finden und zu bestellen. Aktivieren lässt sich die Digitalassistentin entweder per Sprachbefehl oder über ein Eingabefeld in der unteren rechten Ecke des Bildschirms. Jedes Alexa-Tablet verbindet sich nach der Anmeldung mit allen Amazon-Diensten.

Wie bei anderen Tablets gibt es als Zubehör eine Tastatur mit Magnethaftung und einen Stift. Was den Stift angeht: Amazon betont, dass die optionale mattierte Oberfläche des Displays beim Alexa Tablet 12 Pro das Gefühl vermitteln soll, auf Papier zu schreiben. Beim Lesen mit der Kindle-App imitiert das Tablet die E-Book-Reader des Konzerns, schaltet Benachrichtigungen ab und reduziert den Blauanteil im Licht des Bildschirms. Der Akku soll in diesem Modus bis zu 20 Stunden Laufzeit bieten.

Das Alexa Tablet 12 Pro verkauft Amazon mit Standard-Display, 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Speicherplatz ab 499,99 Euro. Das Modell mit dem mattierten Bildschirm kostet ab 559,99 Euro. Mit 16 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz werden 559,99 Euro fällig.

Alexa Tablet: Die 11-Zoll-Version kostet 329,99 Euro und ohne Werbung 349,99 Euro

Alexa Tablet: Die 11-Zoll-Version kostet 329,99 Euro und ohne Werbung 349,99 Euro

Foto: Amazon / dpa / picture alliance

Neben dem Vorzeigeprodukt gibt es neue Alexa Tablets mit Display-Diagonalen von elf Zoll (ab 329,99 Euro, ohne Werbeanzeigen ab 349,99 Euro) und acht Zoll (ab 229,99 Euro, ohne Werbung ab 249,99 Euro).

Die Kinder-Baureihe heißt künftig Amazon Kids Tablet. Diese Geräte haben Bildschirmgrößen von 8,7 und elf Zoll. Verkauft werden sie im Bundle mit Schutzhüllen, für 229,99 und 329,99 Euro.

Umstieg auf Android – warum eigentlich?

Und warum gibt es nun kein Fire OS mehr? Bei Android habe es Verbesserungen gegeben, die den Wechsel von der hauseigenen Android-Variante zum regulären Google-Betriebssystem ermöglicht hätten, sagte der zuständige Amazon-Manager Kevin Keith.

Zu den relevanten Verbesserungen gehöre, dass man Apps in verschiebbaren Fenstern laufen lassen könne und der Umgang mit Speicher optimiert worden sei. Das hat es laut Amazon möglich gemacht, die Einstiegsversion des Tablets mit vergleichsweise mageren 8 GB auszustatten.

Die Preise für Speicherchips waren zuletzt wegen der hohen Nachfrage beim Ausbau von KI-Rechenzentren explosiv gestiegen. Manager Keith betonte, dass sich Amazon vorerst mit einer geringen Marge zufriedengeben werde, um den Effekt der Preissteigerungen so weit wie wirtschaftlich möglich abzufangen.

Raus dem Billigsegment

Generell passen die Neuheiten aber zu Amazons aktueller Strategie, in das gehobene Segment vorzudringen und sich von auffallend preisgünstigen Geräten zu lösen, die der Konzern in den vergangenen Jahren zum oder nahe dem Selbstkostenpreis verkaufte. Hauptziel bei den sogenannten Fire-Tablets war es, Kunden für die Nutzung von Amazon-Diensten wie Prime Video, Kindle oder den Onlineshop zu gewinnen.

Der Fokus auf Erschwinglichkeit ging mit Kompromissen einher, wie beispielsweise einer mäßigen Bildschirmqualität und kurzen Akkulaufzeiten im Vergleich zu Modellen von Konkurrenten wie Apple und Samsung.

mbö/dpa/Reuters