SpOn 23.09.2026
21:24 Uhr

Äthiopien: Rebellen bringen Flughafen in Tigray unter ihre Kontrolle


Der schwelende Konflikt zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray und der äthiopischen Zentralregierung flammt wieder auf, die Kämpfer haben einen Regionalflughafen eingenommen. Die Sorge vor einem neuen Bürgerkrieg ist groß.

Äthiopien: Rebellen bringen Flughafen in Tigray unter ihre Kontrolle

In Äthiopien haben sich die Kämpfe zwischen Soldaten der Zentralregierung und der Rebellen in der nördlichen Region Tigray verschärft. Kämpfer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) brachten den Flughafen der Regionalhauptstadt Mekelle unter ihre Kontrolle. Zudem verbreitete die Führung der TPLF ein Statement, wonach man in einen »Verteidigungskampf« gegen die Zentralregierung eingetreten sei.

Die Eskalation schürt Sorge vor einem neuen Krieg: Erst 2022 endete ein Bürgerkrieg in dem Land, in dem es zu zahlreichen Menschenrechtsverbrechen kam und etwa 600.000 Menschen starben. Inzwischen erkennt die TPLF das Friedensabkommen nicht mehr an. Sie ist die wichtigste politische Partei in Tigray und hat Äthiopien vor dem Amtsantritt von Premierminister Abiy Ahmed jahrzehntelang regiert.

Vor der Attacke auf den Flughafen hatte ein Bündnis von Oppositionsgruppen erklärt, Abiys Regierung stürzen zu wollen, darunter auch die TPLF. Abiys Partei PP hatte im Juni die Wahl in dem zweitbevölkerungsreichsten Land Afrikas klar gewonnen. In Tigray wurde sie nicht abgehalten. Menschenrechtsgruppen kritisierten, die Wahl sei nicht frei und fair gewesen – auch weil die Anführer mehrerer Oppositionsparteien inhaftiert waren. Abiy war 2018 an die Macht gekommen und galt als Hoffnungsträger für die Region. Der Friedensnobelpreisträger steht inzwischen jedoch wegen seines repressiven Führungsstils in der Kritik.

Nun droht ein Rückfall in einen Bürgerkrieg, warnt etwa Ed Bach von der Risikoberatungsfirma Verisk Maplecroft. »Die Beschlagnahmung staatlicher Einrichtungen durch die TPLF liefert Abiy Ahmed einen Vorwand, die Drohneneinsätze zu verstärken, um Stellungen, Logistik und Nachschubwege der TPLF im Vorfeld einer großangelegten Offensive zu schwächen.«

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Zudem könne sich der Konflikt laut Bach zu einem Stellvertreterkrieg mit dem nördlichen Nachbarland Eritrea ausweiten. »Eritrea und die sudanesischen Streitkräfte ermöglichen angeblich Waffenlieferungen an die TPLF und erhöhen damit das Risiko eines eskalierenden Konflikts zwischen mehreren Staaten, der das Horn von Afrika destabilisieren könnte.«

jml/dpa/AFP/Reuters