SPIEGEL: Herr Bundespräsident, die Schweiz steht im Ruf, sicher und immun gegen globale Krisen zu sein. Die Zollpolitik von Donald Trump hat das Land verunsichert, die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 41 vorwiegend jungen Toten und über hundert Verletzten offenbarte ein beispielloses Behördenversagen. Durchlebt Ihr Land eine ungewöhnlich schwere Zeit?
Parmelin: Sie haben recht, die Schweiz wurde in den vergangenen Monaten hart geprüft: durch tragische Unglücke, aber auch durch Krisen, von denen die ganze Welt betroffen ist.
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Guy Parmelin, geboren 1959, gehört seit zehn Jahren der Schweizer Landesregierung an, dem Bundesrat. 2026 ist er zum zweiten Mal nach 2021 für ein Jahr Bundespräsident. Er ist Mitglied der rechtspopulistischen SVP, vertritt öffentlich aber die Haltung der Regierung, nicht die seiner Partei – ein Prinzip, das in der Schweizer Konkordanzdemokratie zentral ist. Der gelernte Weinbauer aus dem französischsprachigen Kanton Waadt leitet das Department für Wirtschaft, Bildung und Forschung.
SPIEGEL: Ihre Amtszeit als Bundespräsident begann praktisch auf die Minute mit der Katastrophe von Crans-Montana. Wie erinnern Sie sich an den 1. Januar 2026?
Parmelin: Ich war in den Bergen im Urlaub, nur wenige Kilometer von Crans-Montana entfernt. Um 6.50 Uhr klingelte das Handy, und ich wurde über die Brandkatastrophe informiert. Das enorme Ausmaß war zu diesem Zeitpunkt noch unbestätigt. Meine Gedanken waren sofort bei den betroffenen Menschen und deren Familien und dem unglaublichen Schmerz, den sie erleben mussten. Gern entsprach ich dem Wunsch, dass ich den Unglücksort besuche. Unter keinen Umständen wollte ich aber die Rettung stören.
SPIEGEL: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den Unglücksort sahen?
Parmelin: Ich war schockiert. So viele tote junge Menschen, weit über 100 Verletzte, viele von ihnen schwer. Man fühlt sofort mit allen mit. Der Atem stockt, die Stimme ebenso. Als Politiker müssen sie in einer solchen Situation einfach funktionieren. Persönlich war es einer der schwersten Momente meines bisherigen Politikerlebens. Und mir stellte sich die Frage, wie ich in dieser Situation am besten helfen konnte.
SPIEGEL: Wie haben Sie entschieden?
Parmelin: Mir war wichtig, dass ich mir ein Bild der Unglücksnacht vor Ort machen konnte. Ich wollte den Rettungskräften zuhören und ihnen für ihren Einsatz danken. Später wollte ich allen betroffenen Familien, die ein Kind oder Angehörige verloren hatten, einen Brief schreiben. Zudem wollte ich mit möglichst vielen Opferfamilien in Kontakt treten. Und mir war auch wichtig, dass ich als Vertreter der Regierung dort Unterstützung anbieten konnte, wo es diese brauchte und man uns um Hilfe bat.
