SpOn 15.05.2026
10:49 Uhr

(+) Gastgeber sein als Akt des Widerstands: Eine neue Generation entdeckt das Einladen zum Essen


Leute zum Abendessen einzuladen: Das ist Politik. Sagen sie jedenfalls in Amerika, wo »Hosting« ein Trend ist. Was ist so besonders daran und wie gelingt es? Sechs Tipps.

(+) Gastgeber sein als Akt des Widerstands: Eine neue Generation entdeckt das Einladen zum Essen
Außerdem in dieser Ausgabe

Vor Kurzem war ich in Boston zu einem Abendessen mit sehr vielen klugen Leuten eingeladen, darunter ein weltberühmter Philosoph und eine noch bekanntere Schriftstellerin. (Ich war da beruflich, privat hätte ich es nie in diese Runde geschafft.) Der Gastgeber war ein schwerreicher Mann und Philanthrop, der gleich zu Beginn des Essens deutlich machte, dass Small Talk an diesem Tisch nicht erwünscht sei. Wir hatten noch nicht mal die Vorspeise bekommen, da sollten wir schon über große Gedanken wie gute Staatsführung, Umverteilung und das Allgemeinwohl diskutieren.

Was sich danach entwickelte, war ein durchaus spannendes Tischgespräch. Es war nur auch sehr ungewohnt, so ganz ohne Geplapper und Geschäker mit anderen Menschen zusammenzusitzen. Im Grunde war das kein Abendessen, sondern eine Reihe von Miniatur-Impulsvorträgen, und man musste höllisch aufpassen, nicht zu arg mit dem Besteck zu klappern. Ich fragte mich: Ist es das, was Leute meinen, wenn sie vom Abendessen als politischen Akt sprechen?

Das Gastgeben erlebt gerade ein Comeback, und zwar ausgerechnet als Akt des Widerstands. Im vergangenen Jahr wurde wegen der riesigen Nachfrage die herrlich bekloppte Gastgeber-Bibel »Entertaining« von Martha Stewart aus dem Jahr 1982 neu aufgelegt. Jetzt kann eine ganz neue, junge Generation unter anderem lernen, wie man mal eben ein »gesetztes Country-Luncheon für 175 Gäste« ausrichtet. Auch hierzulande begeistert sich die Gen Z dafür: Die sehr gefragte Berliner Foodstylistin Hannah Kleeberg hat ihr erstes, gerade erschienenes Buch »Herrlich Hosting«  genannt.

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