SPIEGEL: Frau Dela Cruz, wir sprechen oft von Schmetterlingen im Bauch, wenn es um Verliebtsein geht, aber wie fühlt sich diese erste große Liebe für Jugendliche wirklich an?
Dela Cruz: Ich halte nichts davon, wenn wir das aus Erwachsenensicht erklären wollen, statt Jugendlichen zuzuhören. Was ich beobachtet habe, ist, dass diese erste Liebe oft extrem intensiv und manchmal auch überfordernd ist. Alles fühlt sich größer, schneller und näher an. Plötzlich bekommt alles eine Bedeutung. Nachrichten werden zehnmal gelesen. Ein »Guten Morgen« entscheidet über die Stimmung des ganzen Tages. Es werden Playlists erstellt und Geschenke zu jedem Anlass gemacht. Weil es zum ersten Mal passiert, fühlt es sich absolut an. Als gäbe es nichts anderes mehr. Die Person ist überall. Denn es gibt noch kein »Ich kenn’ das schon«. Verliebt sein ist so was wie ein neurochemisches Feuerwerk. Das Belohnungssystem läuft auf Hochtouren, Nähe erzeugt Bindungshormone, der Körper ist aufgeregt, wach und sensibel.
