Die Bahnbranche ist in Aufruhr. Vor drei Wochen hat Ex-Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo angekündigt, mit dem von ihm mitgegründeten Fernzugbetreiber Italo den deutschen Markt aufmischen zu wollen. Nun zeichnet sich auf der Schiene ein weiß-grün-blauer Dreikampf ab: zwischen dem Ex-Monopolisten Deutsche Bahn mit seinen weißen ICEs, seinem Herausforderer Flix, bekannt für seine hellgrüne Bus- und Zugflotte, und dem Newcomer Italo. Der ist in Italien mit Ferrari-roten Waggons unterwegs, will in Deutschland aber in Blau antreten.
Urlaub in der Krise
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Noch hat die Bahn im Fernverkehr einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent, offiziell wünscht sich die Bundesregierung mehr Konkurrenz. Als Flixtrain im vergangenen Jahr bis zu 65 Hochgeschwindigkeitszüge des spanischen Produzenten Talgo für den Einsatz in Deutschland bestellte, lobte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) das als »starkes Signal für den Schienenmarkt«.
Zu Italo hält Schnieder sich bedeckt. Offen bleibt, wie er und die Bundesnetzagentur als Wettbewerbshüterin sich das Spielfeld für die Rivalen vorstellen – von der Zuteilung der Kapazitäten über Trassenpreise und Ticketverkauf bis hin zur Nutzung der Bahnhöfe. Umso aggressiver bringen sich die Konkurrenten in Stellung.
Auch Flixtrain greift an
Die nächste Offensive kündigt nun Flixtrain an. Seit 2018 machen die Münchner der Bahn im Fernverkehr Konkurrenz, allerdings nur auf ausgewählten Strecken und in überschaubarer Taktung. Das soll sich ändern. »Wir werden die Größe unseres Angebots bereits in den nächsten zwei Jahren bis zum Einsatz der neuen Talgo-Züge verdoppeln«, sagt Flix-Chef André Schwämmlein dem SPIEGEL. Man werde in höherer Taktung fahren und längere Züge einsetzen.
Erstmals nennt Flixtrain für 2027 Details. Auf der Strecke Berlin–Hamburg will das Unternehmen bis zu zehnmal täglich im Zwei-Stunden-Takt fahren und damit rund ein Drittel mehr Abfahrten pro Woche anbieten als bislang. Kunden kämen nun »nicht mehr in die Situation, dass sie gern Flix nutzen möchten, aber zur gewünschten Zeit nur ein ICE fährt«, sagt Schwämmlein.
