Dieter Hecking ist schwer zu beeindrucken. Als der Trainer des VfL Wolfsburg nach dem 3:1-Sieg beim FC St. Pauli und dem Erreichen der Bundesliga-Relegation nach einer sportlichen Einschätzung gefragt wurde, wollte er erst mal etwas loswerden: »Wie der Verein sich verhalten hat, davor ziehe ich den Hut.«
Mit dem Verein meinte er St. Pauli und nicht seinen eigenen, er bezog sich ausdrücklich auf die Atmosphäre an diesem Nachmittag im Millerntor-Stadion. Die Kiez-Kicker hätten ihrerseits mit einem Sieg ebenfalls in die Relegation vorrücken können, müssen nun aber den Gang in die 2. Liga antreten.
»Das sind bittere Momente«, sagte Hecking, der in der vergangenen Saison mit dem VfL Bochum abgestiegen war und damals am letzten Spieltag von den St.-Pauli-Fans anerkennend beklatscht worden war. Auch diesmal war die Atmosphäre am Millerntor nie feindselig, obwohl Wolfsburg mit VW als Anteilseigner und den damit verbundenen finanziellen Mitteln nicht zu den beliebtesten Clubs in der Bundesliga gehört.
Was Hecking bei seinem Lob auch meinte, war die Reaktion der Anhänger unmittelbar nach Schlusspfiff. Aus den Lautsprechern erklang die berühmte Fußballhymne »You’ll Never Walk Alone«, nahezu alle Heimfans reckten ihre Schals in die Höhe, selbst 20 Minuten nach Schlusspfiff war noch die Hälfte des Stadions gefüllt. Es war eine Geste der Aufmunterung und des Dankeschöns an die Spieler.
