|
20.06.2026
16:02 Uhr
|
Nach einem heftigen Machtkampf mit schweren Vorwürfen fällt das Duell bei der AfD in Bayern aus. Der Landesparteitag bestätigt den amtierenden Vorsitzenden mit großer Mehrheit. Sein Herausforderer hatte zurückgezogen.

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka bleibt Vorsitzender der bayerischen AfD. Nach einem erbittert geführten internen Machtkampf wurde der Niederbayer auf einem Landesparteitag in Passau im Amt bestätigt. Und das mit großer Mehrheit, weil es am Ende überraschend doch keinen Gegenkandidaten gab: Protschkas Bundestagskollege Reinhard Mixl, der eine Bewerbung angekündigt hatte, trat doch nicht an.
„Die Stimmenverhältnisse hier im Saal waren nicht zu unseren Gunsten“, sagte der 65-Jährige, als er später für einen Beisitzer-Posten im Landesvorstand kandidierte. Er habe das Bild „AfD zerstritten, tiefste Gräben“ in der Öffentlichkeit vermeiden wollen, sagte Mixl.
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Für Protschka stimmten nach Angaben des Wahlleiters dann gut 79 Prozent der rund 1400 anwesenden Mitglieder. Bei der AfD können alle Mitglieder auf Parteitagen über Personal und Anträge abstimmen, was die Veranstaltungen oft unberechenbar macht. In Bayern hat die Rechtsaußen-Partei fast 12 000 Mitglieder. Das Lager, das am meisten Menschen mobilisiert, setzt sich durch.
Auch Protschka behauptete in seiner Rede vor der Wahl, die Partei sei „nicht zerstritten“. Kurz vor dem Wochenende hatte er allerdings schwere Vorwürfe gegen Teile seines eigenen Landesvorstands erhoben und davon gesprochen, dass externe Kräfte die Partei „kapern“ wollten. Abgeordnete aus den eigenen Reihen, so behauptete Protschka, hätten sich kaufen lassen, um ihn zu stürzen.
Am Wochenende wählt die Rechtsaußen-Partei eine neue Spitze. Die zwei Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka und Reinhard Mixl treten gegeneinander an. Über einen Machtkampf auf offener Bühne.
Am Ende setzte sich Protschka, der nach eigenen Angaben von Bundeschefin Alice Weidel und dem rechtsextremen Kopf der AfD in Thüringen, Björn Höcke, unterstützt wurde, mit einem neuen Team durch. Gut möglich, dass auch der interne Druck auf das Gegenlager rund um Mixl am Ende zu groß war.
Dem neuen Vorstandsteam gehören in führenden Positionen künftig auch der AfD-Europaabgeordnete Markus Buchheit sowie die Chefin der AfD-Landtagsfraktion, Katrin Ebner-Steiner, an. Eine Mäßigung der AfD, die in Bayern wegen verfassungsfeindlicher Bestrebungen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ist eher nicht zu erwarten.
Protschka beschimpfte in seiner Rede Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als „Lügenfritze“ und sagte, die AfD werde Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) „aus dem Maximilianeum jagen“. Medienvertreter warf er „Lügen“ und „Propaganda“ vor. Er arbeite „gegen das System, das wir hier in Deutschland haben“. Buchheit, nun zweiter Mann in der Landespartei hinter Protschka, räumte ein: „Jawohl, die bayerische AfD war ein Hort des Chaos“, doch nun werde man geschlossen auftreten. Ebner-Steiner sagte: „Wir müssen wieder lernen, konstruktiv zu sprechen.“
In den vergangenen Wochen hatte hinter den Kulissen und zuletzt auch auf offener Bühne ein erbitterter Machtkampf getobt. Dies gipfelte etwa in einem Brief des Teams Protschka an den AfD-Bundesvorstand. Beklagt wurde darin „der gezielte Versuch externer Netzwerke, die freie Willensbildung unseres stärksten Landesverbandes zu kapern“. Der Landesvorsitzende sah sich Druck und Drohungen ausgesetzt und machte entsprechende Chatnachrichten öffentlich.
Beispiellos gestaltete sich schon der Beginn des Parteitags. Nicht wie sonst üblich der Landesvorsitzende, sondern andere Vorstandsmitglieder wollten den Tätigkeitsbericht des Landesvorstands vorstellen, möglicherweise gemeinsam. Der Parteitag stimmte dann aber mit großer Mehrheit für den Antrag eines Mitglieds, dass allein Protschka für den Bericht das Wort erteilt werden soll. Spätestens da zeichnete sich ab, dass Protschka mit einer Mehrheit würde rechnen können.
Mixl wurde vom Parteitag als Beisitzer gewählt. Er sagte, er wolle beitragen, die Wogen innerhalb der Partei „vielleicht zu glätten“. Er ärgerte sich aber auch über die derzeitigen Umfragen für die AfD in Bayern. 19 Prozent seien mit Blick auf die Werte der Bundes-AfD „nicht befriedigend.“ Deshalb, so sein Fazit, „muss hier Irgendjemand etwas verschlafen haben“.
Erstmals hatte die bayerische AfD ihre Mitglieder in die Dreiländerhalle nach Passau geladen – bekannt als Heimat der CSU am politischen Aschermittwoch. Zum Zeichen des Protests versammelten sich schon mehrere Stunden vor Veranstaltungsbeginn rund 1000 AfD-Gegner in der Passauer Innenstadt. Insgesamt sind nach Angaben der Stadt 5000 Teilnehmer bei verschiedenen Demos und Kundgebungen angemeldet. Die Polizei ist mit Hunderten Einsatzkräften vor Ort.