SZ 01.05.2026
15:19 Uhr

Glosse: Vielleicht übt Timmy gerade für seinen ersten Song in der Freiheit


Der Wal ist auf dem Weg nach Norden. Das könnte langweilig werden, zum Glück sind Buckelwale große Sänger. Das Streiflicht.

Glosse: Vielleicht übt Timmy gerade für seinen ersten Song in der Freiheit
Wenn Timmy irgendwann im Nordatlantik davonschwimmen sollte, wird er es vielleicht singend tun: Der Buckelwal im gefluteten Lastschiff auf dem Weg in Richtung Nordsee. Philip Dulian/dpa

(SZ) Seit vier Wochen ermöglicht das Schicksal des Buckelwals Timmy diesem Land, sich nachrichtlich nicht nur mit dem Zustand der Koalition beschäftigen zu müssen. Aber seit er im Lastkahn nach Norden gezogen wird, ist nicht nur Bewegung in die Rettungsbemühungen gekommen, sondern auch viel Bewegung in die laufende Berichterstattung: Timmy singt jetzt auch. Dass Wale als Säugetiere uns Menschen näher sind als Fische, Vögel, Spinnen und Insekten, ist gewiss wichtig für die Sympathie, die Timmy entgegenschlägt. Aber Buckelwale tun noch etwas, was auch dem Menschen ein Grundbedürfnis ist, sie kommunizieren über Töne, und zwar mit dem größten Tonspektrum aller Wale. Weil sie das können, haben die Menschen, die kaum etwas mehr bewundern als Sängerinnen wie Maria Callas und Frontmänner wie Mick Jagger, diese Töne in Strophen eingeteilt und als Gesänge bezeichnet. Und nun hat Timmy tatsächlich angefangen, diese Gesänge anzustimmen. Wenn Timmy also irgendwann im Nordatlantik davonschwimmen sollte, wird er es vielleicht singend tun. Hans Zimmer müsste gar nicht aktiv werden. Für den Happy-End-Song sorgt der Filmheld diesmal selbst.

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