SZ 17.07.2026
12:40 Uhr

(+) WM-Kolumne American Football: In jedem vierten Haus wohnen Autos


Weil es so heiß ist, gehen Amerikaner selten zu Fuß, und weil sie selten zu Fuß gehen, wird es immer heißer – Impressionen eines WM-Reporters aus Dallas, Atlanta und New York.

(+) WM-Kolumne American Football: In jedem vierten Haus wohnen Autos

Bevor man als WM-Reporter mal wieder den Ort wechselt, zum nächsten Spiel in der nächsten Stadt, geht die Reise ins Internet. Man muss ja ein paar Dinge herausfinden, etwa: „Ist Dallas Downtown nachts sicher?“ Oder: „Kann man in Atlanta nachts zu Fuß gehen?“ Die KI-Antwort beginnt dann meist mit „Überwiegend ja“, wird allerdings mit Worten wie „Drogenkriminalität“ und „Schusswaffendelikte“ abgeschmeckt.

Aber es hilft ja nichts: Die Stadionshuttles der Fifa lassen einen in den Stadtzentren raus. Und zwar dann, wenn die Spiele gespielt und die Texte geschrieben sind, also nachts. Meistens ist dort auch alles ganz friedlich. Wobei einem schnell auffällt, wo man sich am unwohlsten fühlt: vor den Häusern ohne Fensterscheiben.

Auf drei oder vier Häuser mit Fensterscheiben folgt in manchen Gegenden von Dallas und Atlanta eines ohne. Die Fassaden sind auf den ersten Blick fast identisch, aber dort, wo sonst verspiegeltes Glas verklebt ist, klaffen Löcher. Dahinter parken tagsüber, turmhoch übereinandergestapelt, die Autos, mit denen die Dallasites und die Atlantans in ihre Downtown-Büros fahren, die sich in den Häusern daneben befinden, in denen mit Fensterscheiben. Um es mal so zu sagen: Leere Parkhäuser haben nachts noch weniger Charme als leere Bürohäuser.

Den Gedanken, wie schön ihre Städte sein könnten, würden die Amerikaner auch mal zu Fuß gehen, denkt man allerdings nur bis kurz nach Sonnenaufgang. Bis man beschließt, in Dallas schnell zum nächsten Supermarkt zu laufen – es sind wirklich bloß zwei, drei Blocks –, aber dann steht man an der ersten Ampel. Kein Fitzelchen Schatten nirgendwo, wieso hat man denn kein Wasser mitgenommen … ah, weil man das im Supermarkt kaufen wollte … aber Wasserwasser wäre jetzt wirklich ganz gut, wo kommt denn diese unerträgliche Schwüle plötzlich her … Hallo, Taxi!

Das kleine Dilemma im großen: Weil es so heiß ist, fahren alle mit dem Auto, und weil alle mit dem Auto fahren, wird es immer heißer. Wobei, es gibt nach fünfeinhalb Wochen WM auch eine gute Nachricht in Sachen Personenverkehr: Manchmal wird es wenigstens leiser.

Wenn man nach New York kommt – Frankreich spielte hier gegen Senegal –, fällt einem als Erstes auf, dass im Vergleich zu früher der Lärm weniger geworden ist. Jedenfalls ein bisschen. Die berühmten gelben Taxis der Marke Ford Crown Victoria, die in jedem New-York-Film von irgendwem angehalten werden, meistens von Sarah Jessica Parker, ehe sie dann wieder röhrend Gas geben, sind fast komplett verschwunden, ausgetauscht gegen eine Flotte vollelektrischer Toyota-SUVs. Außerdem kann man in Manhattan inzwischen wunderbar Rad fahren, besser als in Berlin, Magdeburg oder Passau.

Kurz stellt man sich vor, wie dieser selbst ernannte Super-New-Yorker im Weißen Haus, Pickup-Fetischist, Benzinschnüffler, angeblicher Great-Again-Macher der amerikanischen Autoindustrie, wie sich Donald Trump also in New York ein Taxi bestellt. Und dann kommt ein Toyota Sienna, ein E-Japaner, der wie eine italienische Stadt klingt, und der an jeder Kreuzung warten muss, bis die E-Bikes vorbei sind. Allerdings fährt Trump ja leider nicht mehr Taxi, sondern fliegt mit der Air Force One zum Golfen nach Florida.

Didier Deschamps führte Frankreich in 14 Jahren als Trainer an die Weltspitze, es fehlte nicht viel zum perfekten Abschied. Nun soll Zinédine Zidane übernehmen. Er hat lange gewartet – und sich vorbereitet.

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