SZ 02.09.2026
16:02 Uhr

(+) Soziale Medien: Der Gipfel der Bedeutsamkeit


Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer haben sich getrennt, doch in den sozialen Medien bilden sie nach wie vor eine unvergleichliche Content-Einheit und verbreiten Lebensweisheiten. Bleibt die Frage: Warum?

(+) Soziale Medien: Der Gipfel der Bedeutsamkeit
Schauspielerin Veronica Ferres und Investor Carsten Maschmeyer bespielen auf Instagram ihr jeweils eigenes Publikum, aber mit Videos in einer prägnanten und ähnlichen Machart.
Screenshot: Instagram

„Es gibt nicht viel auf dieser Welt, woran man sich halten kann – manche sagen: die Liebe, vielleicht ist da was dran“, dichteten Campino und Funny van Dannen einst. Und manchmal wird „aus unserer Liebe eine tiefe, vertrauensvolle Freundschaft“, wie die Schauspielerin Veronica Ferres und der Investor Carsten Maschmeyer jüngst in einem gemeinsamen Statement verbreiteten, um der Öffentlichkeit ihre Trennung zu erklären.

Das Ende einer Ehe ist nichts Ungewöhnliches, zumal unter umtriebigen Prominenten. Die Nachricht kann einen dennoch in Unruhe versetzen, denn dieses deutsche Power-Couple war in den letzten Jahren für Content verantwortlich, an den man sich halten konnte, wann immer das Leben einen kräftig durchschüttelte. Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer produzierten für Instagram und andere soziale Netzwerke regelmäßig kurze Videos, in denen sie Lebensweisheiten verbreiteten. „Elevator Pitches“ für „Life Improvement“, wie man das in der „Höhle der Löwen“ nennen würde. Die Gute Nachricht ist, dass es weiterzugehen scheint. Aktuell produzieren Maschmeyer und Ferres nämlich munter weiter. Ganz, als hätte es keine Trennungsnachricht gegeben.

Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.

In den Videos sieht man die beiden, hier schon immer getrennt voneinander, aber im selben markanten Stil gefilmt, stets in einer wunderschönen Umgebung. In ihrem wunderschönen Garten etwa, im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer, an einem malerischen Alpensee oder sehr urban in Manhattan, New York City. Und dann beginnen sie, mitten im exquisiten Ambiente, zu erzählen. „Ich bin der Überzeugung, dass alles Negative zurückkommt, aber noch überzeugter bin ich, dass alles, was ich Gutes tue, irgendwo den Weg wieder zu mir findet“, sagt Ferres. „Menschen versuchen, dich in eine Schublade zu stecken – lass sie das tun, denn was andere über dich denken, sagt mehr über sie aus als über dich“, versichert Maschmeyer. „Wer ständig über andere redet, der bleibt oft stehen, dreht sich im Kreis um sich selbst – Wachstum entsteht durch Austausch und nicht durch Gerede über Dritte“, weiß Ferres. „Nicht nur reden, sondern verstehen wollen, auch mal genauer nachfragen, zuhören, offen sein“, legt uns Maschmeyer nahe.

Musikalisch unterlegt sind diese Kurzpredigten meist mit atmosphärischen Klavierstücken, die es vermögen, die Bedeutsamkeit des Gesprochenen auf den Gipfel zu treiben. Auffallend ist, dass das ehemalige Paar so gut wie nie gemeinsam auftritt. Jeder bespielt sein eigenes Publikum, aber mit Videos ähnlicher Machart. Maschmeyer und Ferres sprechen – in Zeiten von Tiktok ungewöhnlich ruhig und besonnen – an der Kamera vorbei, als säße dort ein Interviewer. Allerdings richtet sich ihr Blick noch ein Stückchen weiter zur Seite, als man es von TV-Produktionen kennt. Eine Theorie zu diesem Kamerakniff wäre, dass Menschen, die Lebensratschläge benötigen, auf die ein oder andere Art feststecken. Das demonstrative An-der-Kamera-Vorbeisprechen von Ferres und Maschmeyer löst bei uns Betrachtern den inneren Impuls aus, sich in Bewegung zu setzen, um ins Blickfeld der Mentoren und „Business Angels“ zu gelangen.

Die WDR-Sendung „Kochen mit Martina und Moritz“ wurde abgesetzt. Aus Protest senden die beiden aus ihrer Privatküche weiter und setzen sich damit ein kulinarisches Vermächtnis.

Doch es gibt in den unzähligen Videos auch formale Variation und Erfrischung, etwa wenn man Maschmeyer Esel füttern oder an Blüten schnuppern sieht und das Learning per Voiceover aufgesagt bekommt. Von Veronica Ferres existiert ein Video, in dem man sie schweigend zu Klaviermusik im Terrassentürrahmen schaukeln sieht, Caption: „Verliere niemals dein inneres Kind.“ Es braucht nicht immer viele Worte, um zu sagen, worauf es im Leben ankommt.