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08.03.2026
14:05 Uhr
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Beglückt von neuen Ansätzen: Der SC Freiburg findet beim 3:3 gegen Bayer 04 das Vertrauen in die eigene Offensive wieder – Vincenzo Grifo egalisiert sogar eine ewige Breisgauer Bestmarke.

Vincenzo Grifo (Dritter von rechts) und seine Freiburger nahmen aus dem 3:3 gegen Leverkusen positive Erkenntnisse mit. Achim Keller/dpa
Julian Schuster tat es in den letzten Spielminuten seiner Mannschaft gleich und spulte noch mal ein enormes Laufpensum ab. Unter kompletter Missachtung der Coaching-Zone rannte Freiburgs Trainer von links nach rechts und kühlte auf der nach oben offenen Christian-Streich-Skala erst wieder herunter, als das Ergebnis feststand: 3:3 hieß es am Ende zwischen seinem SC Freiburg und einer Leverkusener Elf, die ihren Teil zu einem hochklassigen Spiel beigetragen hatte. Die aber über 90 Minuten nicht den Eindruck erweckte, als werde es ihr leichtfallen, noch in die Champions-League-Ränge vorzustoßen. „Das war ein super Spiel von beiden Mannschaften“, sagte der nur mäßig zufriedene Coach Kasper Hjulmand. „Die letzten 20 Minuten haben wir nur verteidigt und ohne Dominanz gespielt.“
Beim Sportklub hingegen bleibt von diesem unterhaltsamen Nachmittag weit mehr hängen als ein mühsamer Punktgewinn. Nämlich die Erkenntnis, dass diese Mannschaft neben konsequentem Verteidigen auch andere Tugenden beherrscht. In den vergangenen Monaten waren diesbezüglich Zweifel aufgekommen. In den meisten Spielen war der SC auf Spielkontrolle und defensive Stabilität bedacht, vermied jedoch offensiv das Risiko. Selbst beim wichtigen Spiel in der Vorwoche in Frankfurt ermöglichte man dem Tabellennachbarn den Sieg, ohne die abwartende Herangehensweise aufzugeben.
Genau das scheinen sie in Freiburg in den vergangenen Tagen allerdings hinterfragt zu haben, verriet Kapitän Christian Günter: „Wir sind sehr selbstkritisch gewesen. Es war schon immer unser Ziel, dass wir fußballerisch einen Schritt nach vorn machen. Und jetzt konnten wir auch wirklich mal intensiv trainieren.“ Auch Vincenzo Grifo wirkte regelrecht beglückt über den „Ansatz, den wir haben wollen“ und der „uns in der jüngeren Vergangenheit nicht so oft gelungen ist“.
Tatsächlich bestreitet der Sportklub, der noch in drei Wettbewerben mitwirkt, ja seit Monaten oft ebenso unaufgeregt wie erfolgreich alle paar Tage ein Pflichtspiel und verbringt fast so viel Zeit auf Flughäfen wie beim Training. Bei einem Verein, der schon zu Streichs Zeiten („Übsch, übsch, übsch“) an die Steuerbarkeit der Dinge glaubte, mag das zumindest ein Grund für die Metamorphose dieser Mannschaft vom Hochsicherheitskollektiv zur berauschten Equipe sein: Seit Mitte Februar gab es viel Zeit zum Üben. Gegen Leverkusen gelangen jedenfalls immer wieder frühe Balleroberungen.
Und dann ging’s los. Die Offensiven ließen den Ball zirkulieren und hatten dabei auch tatsächlich den gegnerischen Strafraum als Ziel ihrer Bemühungen im Visier. Grifo, Niklas Beste oder Yuito Suzuki sind nicht die einzigen ballsicheren SC-Spieler in der technisch gut aufgestellten Mannschaft, die es eigentlich als Qual empfinden müssten, so oft wie in der Vergangenheit rein defensiv denken zu dürfen. Am Samstag wurden sie losgelassen. Das 1:0 durch Grifo war entsprechend schön heraus gespielt (34.), das zweite Tor das Ergebnis eines brillanten Spielzugs, den Suzuki zum 2:1 nutzte, weil Matanovic die Hereingabe von Beste mit viel Übersicht durchließ (43.). „Das zweite Tor war sehr besonders“, fand auch Trainer Schuster. Es habe ihm imponiert, „wie wir es schaffen, von hinten nach vorn durchzuspielen und das zu veredeln“.
Der Kopfball von Matthias Ginter (86.) egalisierte dann in der starken Freiburger Schlussphase die Leverkusener Treffer durch Christian Kofane (37.), Alejandro Grimaldo (45.+3) und Martin Terrier (52.). Freiburgs Keeper Noah Atubolu hatte sich vor Grimaldos Freistoßtreffer ins lange Eck gestellt und das kurze dem Rechtsverteidiger Philipp Treu überlassen. Der wiederum rannte vor der Ausführung von der Torlinie zur Mauer und wieder zurück – ehe der Ball direkt über ihm einschlug, weil der Versuch, Grimaldo zu irritieren, eher den eigenen Torwart verunsichert hatte.
Um den kuriosen Gegentreffer ging es nach dem Spiel aber nur kurz. Und auch die Generalkritik des auf rätselhafte Weise gelb verwarnten Grimaldo an den hiesigen Referees („Diese Schiedsrichter sind wirklich schlecht“) hallte nicht wirklich nach. Wie auch, wo doch auf der anderen Seite Grifo, dieser „tolle Typ und Teamplayer“ (Kapitän Günter) endlich sein 105. Pflichtspieltor für den SC erzielt und damit mit Nils Petersen gleichgezogen hatte.
Dass die 104 Treffer zuvor plangemäßer zustande gekommen waren, gab er gerne zu: „Ich habe es mit links probiert, dann stand mein anderer Fuß im Weg, nur so konnte sich der Ball über den Torwart senken und reingehen“, berichtete der Jubilar, dessen Nase sich immer ein wenig kräuselt, wenn er schelmisch wird. Vollkommen glatt war die Nasenhaut indes bei der Botschaft, die er nach diesem tollen Spiel dann doch noch loswerden wollte: „Wir können jeder Mannschaft wehtun, wenn wir wie heute alles raushauen.“
Jamal Musiala trifft beim 4:1 gegen Gladbach und absolviert sein erstes Spiel über 90 Minuten seit fast einem Jahr für die Bayern. Trainer Vincent Kompany nutzt den Anlass, um nach dem Spiel ein paar Dinge klarzustellen.
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