SZ 12.03.2026
13:14 Uhr

(+) Real Madrid in der Champions League: Der Abend des Kroos-Nachfolgers


Real Madrid steht nach dem 3:0 gegen Manchester City nahezu sicher im Viertelfinale gegen den FC Bayern. Der herausragende Spieler: Federico Valverde, der seit der Entlassung von Xabi Alonso zeigt, wozu er in der Lage ist.

(+) Real Madrid in der Champions League: Der Abend des Kroos-Nachfolgers

Das Spiel war vorüber, und die Social-Media-Abteilung von Real Madrid zeigte Reflexe, die fast so gut waren wie die von Torwart Thibaut Courtois. Sie holte ein 81-jähriges Geburtstagskind, das niemand in Spanien unter seinem Allerweltsnamen José Martínez Sánchez kennt, von der VIP-Tribüne auf den Rasen – und stellte es für ein Souvenir-Foto neben Federico Valverde, den Kapitän und Helden des Abends im Estadio Santiago Bernabéu.

Martínez, besser – oder ausschließlich – unter dem Namen „Pirri“ bekannt, war an seinem Ehrentag um den singulären Charakter einer Leistung der Vergangenheit ärmer geworden. Seit Mittwoch ist „Pirri“ nicht mehr der einzige Mittelfeldspieler Real Madrids, dem das Kunststück eines Hattricks im wichtigsten Klubwettbewerb der Welt gelang, „Pirri“ hatte das im Jahre 1968 geschafft. Am Mittwoch stellte Valverde den Rekord ein. Aber nicht bei einem 6:0 gegen fußballerische Habenichtse wie seinerzeit AEL Limassol, sondern bei einem 3:0 gegen das milliardenschwere Manchester City. Nicht in einem Spiel der ersten Runde des alten Europapokals der Landesmeister, sondern in einem Achtelfinalspiel der Champions League.

Pirri lächelte dennoch. Denn er ist Ehrenpräsident des Vereins – und genießt es, wenn die Mannschaft das Tor zum Viertelfinale im April weit aufstößt. Dort dürfte der FC Bayern warten; die Münchner sind nach dem 6:1 bei Atalanta Bergamo wohl durch. Oder sollte im Rückspiel doch noch etwas für City zu holen sein, am kommenden Dienstag im Ettihad Stadion? „Wir werden es mit unseren Leuten versuchen“, versprach Josep Guardiola, ehedem Trainer beim FC Bayern.

Es hätte sein Abend werden können: Bis in den Mittwochnachmittag hinein hatte es in Madrid große Aufregung gegeben. Nach den Skandalspielen gegen Benfica Lissabon war Real von der europäischen Fußballunion Uefa zu einer Bewährungsstrafe wegen Rassismus verurteilt worden; ein Fan hatte gegen Benfica den Arm zum faschistischen Gruß gehoben. Vor dem Spiel gegen City folgte daher eine deutliche Ansage an die Ultras: keine homo- oder katalanophoben Rufe gegen Guardiola – und keine spanischen Fahnen.

Dass ausgerechnet Guardiola, Sympathisant der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung und Hassfigur der zentralspanischen Nationalisten, das Bernabéu-Stadion von spanischen Fahnen befreit, trug mindestens kuriose Züge. Ein paar solcher Flaggen waren im Bernabéu dann doch zu sehen – immerhin in Ausführungen ohne schwarzen Adler, die in der Vergangenheit gern von den Madrid-Anhängern auf der Südtribüne gezeigt worden waren, als Reminiszenz an die sinistre Vergangenheit. Zu Zeiten der Franco-Diktatur (1939–1975) war das rotgoldrote Tuch noch mit einem Greifvogel geschmückt. Nach dem Spiel war freilich nur noch von einem anderen Vogel die Rede. Von Valverde, der einst „Pajarito“ getauft wurde, Vögelchen, und nun zum „Halcón“ mutiert ist, zum omnipräsenten, spielentscheidenden Falken.

Das Resultat sei schlechter gewesen als die Leistung, klagte Guardiola nach der Partie; er führte insbesondere die zahlreichen Durchbrüche bis zur Grundlinie an, die aber, weil die letzten Pässe misslangen, größtenteils nur zu Halbchancen führten. Die beste Chance vereitelte Torwart Thibaut Courtois in der zweiten Halbzeit: Er neutralisierte einen Schuss, den Nico O’Reilly nach dem einzigen Fehler des überragenden Thiago Pitarch, 18, aus kurzer Distanz abgegeben hatte, mit einem sagenhaften Reflex. Nur: Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 3:0 für die Madrilenen. Was unter anderem daher rührte, dass Guardiola viereinhalb Stürmer aufgeboten und damit seinen Sechser Rodri allein gelassen hatte. Denn: Madrids Trainer Álvaro Arbeloa hatte das Mittelfeld auf nachgerade guardioleske Weise bevölkert – und damit richtig gelegen. Nicht zuletzt wegen Valverde. „Dies war sicher das beste Spiel meiner Karriere, vor allem in Bezug auf Tore“, sagte der 27-jährige Uruguayer.

Valverde schien am Mittwoch darauf erpicht, an allen Orten des Rasens aufzutauchen. Dass die Zeitung As die Zeilen aus „Superman“ paraphrasierte („Ist es ein Vogel? Ein Flugzeug? Nein, es ist Super-Fede“), drängte sich geradezu auf. Es fehlte ihm nur ein Superhelden-Cape.

Valverdes erster Treffer entsprang einem Geistesblitz von Torwart Courtois, der den rechts außen postierten Valverde mit einem 60-Meter-Pass auf eine lange Reise schickte. Er düpierte O’Reilly, legte sich in Strafraumnähe den Ball selbst vor, umkurvte Torwart Gianluigi Donnarumma – und schoss ins leere Tor.

Valverde profitierte dabei davon, dass der italienische Keeper auf die extravagante Idee kam, die Arme nicht auszufahren. In abgeschwächter Form konnte man das auch beim zweiten Tor Valverdes beobachten – Donnarumma ließ einen Linksschuss ins lange Eck passieren. Bei Tor Nummer drei war Donnarumma machtlos: Brahim lupfte den Ball am Strafraum über Rúben Dias hinweg, Valverde chippte ihn im Stile eines Klasse-Mittelstürmers über Marc Guéhi und schoss dann im Fünfmeterraum volley ein. Spätestens da muss sich Kylian Mbappé – einer von acht schwergewichtigen Ausfällen bei Real Madrid – gefragt haben, ob die Mannschaft vielleicht ohne ihn besser spielt.

Solidarischer wirkte Madrid allemal. „Ich habe schon lange nicht mehr ein Spiel so genossen wie dieses“, sagte Valverde, der die Nummer 8 auf dem Rücken trägt, seit er sie 2024 von Toni Kroos vererbt bekommen hat. Er sei „froh“ gewesen, „dass da mit Fede ein würdiger Nachfolger gefunden ist und ich mich nicht grämen muss, wenn da die 8 über den Platz läuft, sondern denke: Okay, cool, finde ich gut“, sagte der Weltmeister von 2014 seinerzeit.

Auch bei Präsident Florentino Pérez hat Valverde einen Stein im Brett. Seine Klagen über die ungeliebte Rolle als rechter Außenverteidiger, die zu schweren Differenzen mit Ex-Trainer Xabi Alonso führten, wurden unter Nachfolger Álvaro Arbeloa erhört, angeblich auf präsidiale Weisung. Auch Alonso war am Mittwoch kurz ein Thema – als Courtois gefragt wurde, ob die Mannschaft Revanchegelüste wegen der Kritik hat, die sie insbesondere nach der Entlassung des früheren Leverkusener Trainers einstecken musste.

Es sei falsch, dass die Mannschaft gegen Alonso intrigiert habe, betonte Courtois: „Man hat unsere Professionalität angezweifelt“, zu Unrecht, meinte er. Im Fußball komme es einfach vor, dass es mit einem Trainer besser laufe als mit dem anderen. „Die ersten Monate mit Xabi waren sehr gut, dann sind wir plötzlich in ein Tal gekommen und haben uns nicht mehr gefunden“, erklärte der Torwart. Am Mittwoch taten sie es – wie vielleicht noch nie in dieser Saison. Und wenn es noch einen Zweifel gibt, dass Madrid im Viertelfinale steht, dann nur deshalb, weil Vinícius Jr. einen Elfmeter vergab – und damit die Chance auf ein 4:0, das wohl endgültig gewesen wäre.

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