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08.10.2026
13:35 Uhr
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Spaziergänge vermeiden, Kinder nicht aus den Augen lassen: Nach einer möglichen Raubkatzen-Sichtung rufen Behörden nahe dem Münchner Flughafen zur Vorsicht auf. Aber wie gefährlich sind Pumas für Menschen – und könnte es nicht auch ein anderes Tier sein?

Aufnahmen von dem Tier, das in der Nähe des Münchner Flughafens umherstreifte.
Foto: privat
Sollte es sich tatsächlich um einen Puma handeln, der da in der Nähe des Münchner Flughafens umherstreift, dann steht eines fest: Er ist eigentlich nicht von hier – nicht aus Erding, nicht aus Deutschland, nicht aus Europa. Denn die Raubkatzen sind in Süd- und Nordamerika heimisch, hierzulande leben sie nur in Gefangenschaft. Das Tier muss also irgendwo entwichen oder ausgesetzt worden sein.
Genaue Zahlen existieren nicht. Immerhin weiß man, dass sich zwei Tierparks in jüngerer Zeit über Puma-Nachwuchs freuten. Im Freizeitpark Germendorf bei Oranienburg brachte 2025 ein kurz zuvor in Salzburg erworbenes Pumaweibchen drei Junge zur Welt. Ebenfalls drei junge Pumas wurden erst im Juni dieses Jahres im Tierpark Ströhen in Niedersachsen geboren. Wie viele dieser Raubkatzen jedoch privat gehalten werden, ist unbekannt, denn es gibt kein bundesweites Gesetz, das die Haltung gefährlicher Raubtiere regelt oder zumindest das Registrieren dieser vorschreibt, wie Jana Hoger von der Tierschutzorganisation Peta berichtet. Die Bundesländer regeln das separat.
In Bayern besteht eine Erlaubnispflicht für das Halten gefährlicher Wildtiere, sprich, wer sich einen Puma halten will, muss das offiziell bei der Gemeinde melden und sich deren Einverständnis einholen. Ob dies immer der Fall ist? Ungewiss.
Viele der privat gehaltenen Raubkatzen stammen laut Peta aus Zuchten in Osteuropa. Es könnte also durchaus sein, dass ein Tier aus privater Haltung entwichen ist. Wie oft solche vorkommen, zeigen Zahlen aus Brandenburg, die Hoger kennt. Dort sind 44 Großkatzen gemeldet: sechs Löwen, vier Leoparden, acht China-Leoparden, 13 Tiger, zehn sibirische Tiger und drei Schneeleoparden.
Luchs und Puma zählen beide wie auch die gewöhnliche Hauskatze zu den Kleinkatzen, ihr Erscheinungsbild unterscheidet sich aber erheblich. Der Puma ist – je nach Unterart – deutlich größer als der Luchs, welcher nur bis zu 1,20 Meter Länge erreicht, und mit bis zu 25 Kilogramm doch wesentlich leichter ist als ein Puma, der etwa viermal so schwer werden kann. Vor allem hat der Luchs zwei Merkmale, die ihn von anderen Raubkatzen unterscheiden: die Pinselohren mit dunklen Fellbüscheln an der Spitze und den kurzen Schwanz – über dessen Funktion die Wissenschaft bis heute rätselt. Großkatzen übrigens brüllen – was eine Kleinkatze, und damit der Puma, nicht kann.
Die Raubkatzen sind auf dem gesamten amerikanischen Kontinent heimisch – zwischen Kanada im Norden und der Südspitze Lateinamerikas. Bis zu 32 Unterarten soll es geben, sie unterscheiden sich in Größe und Fellfarbe, die zwischen silberbraun und gelbbraun changiert. Manche Arten gelten mittlerweile als ausgestorben. Oft werden die agilen Katzen, nach dem Jaguar die zweitgrößten ihrer Art in Amerika, auch als Cougar oder Berglöwe bezeichnet.
Die Tiere, die meist als Einzelgänger leben, haben beeindruckende Fähigkeiten: Mehr als fünf Meter hoch können sie springen – was ihnen vermutlich auch die Ehre eingebracht hat, zum Logo eines Sportartikelherstellers zu avancieren. Auch können sie auf bis zu 70 Kilometer pro Stunde beschleunigen, doch ziehen sie es in der Regel vor, auf einen Baum zu flüchten, falls sie selbst verfolgt werden.
Als die amerikanischen Forscher Meriwether Lewis und William Clark zwischen 1804 und 1806 den nordamerikanischen Westen erkundeten, zählten Begegnungen mit Berglöwen quasi zum Alltag. Mittlerweile wird der Bestand in den USA auf 20 000 bis 30 000 Exemplare geschätzt, die Mehrzahl davon lebt im Westen, in Florida soll es noch eine kleine Population geben.
Die Raubkatzen sind nicht wählerisch, was ihre Nahrung anbetrifft – sie jagen etwa verschiedene Hirscharten, aber auch Biber oder Nutztiere, weshalb sie Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA fast ausgerottet waren. Erst in den 1980er-Jahren erholten sich die Populationen wieder. In der Wissenschaft gelten Pumas als Schlüsselart. Als solche werden Tier- oder Pflanzenarten bezeichnet, die einen entscheidenden Einfluss auf das Ökosystem haben, in dem sie leben.
Im Grunde sind die Katzen scheu und suchen das Weite. Doch im US-amerikanischen Westen, wo die Raubtiere wild leben, kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Pumas und Menschen. Der Yellowstone National Park etwa berichtet auf seiner Website von Konflikten, jedoch nur wenigen. Eine Begegnung mit einem Puma kann tödlich sein; vor allem Kinder und Jugendliche werden offenkundig häufiger von Berglöwen attackiert; die Hälfte der Opfer waren jung.
Die Warnung des Landratsamts Erding, keine Kinder alleine spielen zu lassen, ist durchaus ernst zu nehmen. Ebenso ernst zu nehmen ist der Hinweis, nächtliche Spaziergänge zu unterlassen. Pumas jagen gerne im Schutz der Dämmerung. Zudem ist unklar – angenommen, es handelt sich tatsächlich um so ein Raubtier – in welchem Zustand es sich befindet. Hat es Hunger? Ist es gewohnt, für seine Nahrung zu sorgen oder verbindet es Menschen mit Nahrung? Hunde anzuleinen, ist sinnvoll. Selbst wenn es kein Puma ist: Eine Rauferei zwischen einem Hund und einer unbekannten Raubkatze kann sich niemand wünschen.
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