SZ 20.04.2026
13:16 Uhr

(+) NRW-Votum für Olympia-Bewerbung: „Wenn Deutschland eine Chance beim IOC haben will, wäre München der beste Standort“


Mit der großen Zustimmung der Bürger für die Olympia-Kampagne „Köln Rhein Ruhr“ erwächst München ein starker Konkurrent. Muss die Stadt jetzt um die Bewerbung fürchten?

(+) NRW-Votum für Olympia-Bewerbung: „Wenn Deutschland eine Chance beim IOC haben will, wäre München der beste Standort“
Wer geht für Deutschland ins Rennen für eine Olympia-Bewerbung? Viele in der Münchner Politik sehen die eigene Bewerbung vorn trotz des positiven Bürgervotums in NRW. Robert Haas

Die Münchner Stadtspitze hat sich bemerkenswert diplomatisch geäußert zum Abstimmungsergebnis aus Nordrhein-Westfalen in Sachen Olympia-Bewerbung: Dort hatten sich am Sonntag die Menschen in den 17 Städten, die sich zur Kampagne „Köln Rhein Ruhr“ zusammengetan haben, mit einer ähnlich deutlichen Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Bewerbung ausgesprochen, wie das im vergangenen Herbst in der bayerischen Landeshauptstadt der Fall gewesen war.

Münchens designierter Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) wertete das nordrhein-westfälische Votum am Montagmorgen generell als „starkes Signal für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland, die von den Bürgerinnen und Bürgern getragen werden“. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass sich Münchens Einwohner bereits beim Bürgerentscheid im vorigen Oktober mit 66,4 Prozent „Ja“-Stimmen für eine Bewerbung um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 ausgesprochen haben: „Dieses starke und einmalige Ergebnis war und ist für uns weiterhin Ansporn. Dass nun auch NRW diesen Weg unterstützt, ist ein wichtiges Zeichen für den weiteren deutschen Bewerbungsprozess.“

Auch die dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) hob den nationalen Aspekt des Resultats hervor: „Als Münchner Sportbürgermeisterin freue ich mich über die weitere Olympia-Befürwortung, jetzt in NRW. Das zeigt, wie sehr sich Deutschland die Olympischen und Paralympischen Spiele wünscht.“ Damit sei die deutsche Olympia-Bewerbung „auf einem sehr guten Weg“.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September, mit welchem Kandidaten er beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorstellig werden will, wenn dieses die Olympischen Sommerspiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 vergibt. Außer München und der Region Rhein-Ruhr mit Köln an der Spitze sind auch Hamburg und Berlin mit von der Partie. Die Hansestadt will die Unterstützung ihrer Einwohner am 31. Mai abfragen, in der Bundeshauptstadt ist kein Bürgerentscheid vorgesehen.

München hatte diesbezüglich im vorigen Herbst gewissermaßen einen Frühstart hingelegt. Nach dem unerwartet starken Rückenwind aus der Bevölkerung riet Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den Mitbewerbern damals mehr oder weniger deutlich, das Rennen lieber gleich aufzugeben. Vom vermeintlich großen Vorsprung ist nach diesem Wochenende nicht viel geblieben. In Nordrhein-Westfalen betrug die Zustimmung zu Olympia zwischen 76,3 Prozent in Aachen und 57,4 Prozent in Köln – der einzigen Stadt, in der das Votum unter der Marke von 62 Prozent lag.

Dass ausgerechnet die als Zugpferd der Kampagne gedachte Millionenstadt am Rhein etwas lahmte, dürfte beim DOSB und den entscheidenden Spitzenverbänden nicht sonderlich ins Gewicht fallen. In absoluten Zahlen waren in Nordrhein-Westfalen circa 4,28 Millionen Menschen zur Abstimmung aufgerufen, etwa 1,4 Millionen hatten von diesem Recht auch Gebrauch gemacht. „Niemand hat so viele Städte und so viele Menschen gefragt“, resümierte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Zum Vergleich die Zahlen aus München: Dort waren vor einem halben Jahr etwa 1,1 Millionen Menschen wahlberechtigt, 460 000 stimmten ab (davon 305 000 oder 66,4 Prozent mit „Ja“), was eine Rekord-Wahlbeteiligung für Bürgerentscheide von 42 Prozent ergab. In NRW lag sie nun bei etwa 32 Prozent.

Anhänger des VfB Stuttgart sollen etwa zwei Stunden vor Anpfiff Bayern-Fans angegriffen haben. Als die Polizei dazwischengeht, werden acht Beamte verletzt.

Dass es nun auch in Nordrhein-Westfalen eine deutliche Zustimmung für Olympische Spiele gibt, sei „für uns nicht überraschend“, sagte Kathrin Abele, die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Stadtrat, in einer ersten Stellungnahme am Sonntagabend: „Wir glauben aber nach wie vor, dass das Münchner Konzept das beste ist und sich in der deutschlandweiten Entscheidung durchsetzen wird.“

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sieht die bayerische Landeshauptstadt im Kandidatenrennen ebenfalls weiterhin vorn. „Ich glaube, dass die Münchner Bewerbung wegen ihrer Zentralisierung bessere Chancen hat, international zu punkten“, sagte er angesichts des auf 17 Standorte zerstreuten Konzepts aus Nordrhein-Westfalen: „Wenn Deutschland eine Chance beim IOC haben will, wäre München der beste Standort.“

So sieht das auch Beppo Brem, der sportpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Rathaus: „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass München das bessere Konzept hat mit der Idee, kurze Wege und eine bestehende Infrastruktur anzubieten.“ Aus den gleichen Gründen schätzt auch Sportbürgermeisterin Dietl die Münchner Chancen nach wie vor positiv ein, „da die Stadt über eine erstklassige Infrastruktur, moderne Sporteinrichtungen und langjährige Erfahrungen mit Sportgroßveranstaltungen verfügt“.

Weil Beppo Brem aus seiner Zeit als Verbands- und Vereinsfunktionär im Sport weiß, dass man trotz aller vermeintlichen Überlegenheit auch verlieren kann, rät er, in den verbleibenden Wochen und Monaten bis zur Kandidatenkür des DOSB „noch mal auf Werbetour zu gehen“ bei den entscheidenden Fachverbänden: „Es ist schon wichtig, noch mal ein gutes, geschlossenes Bild abzugeben.“

Für München bedeute das NRW-Votum nun jedenfalls „einen härteren Konkurrenzkampf“, glaubt Stefan Jagel, Fraktionschef der Linken und im Bündnis der Olympia-Gegner „NOlympia“ engagiert: „Dadurch befürchten wir auch höhere Kosten im Bewerbungsverfahren.“ Grundsätzlich bleibe ja für alle deutschen Kandidatenstädte „die große Herausforderung, wer das am Ende alles bezahlt“. Jagels Mitstreiter Tobias Ruff (ÖDP) betrachtet das Votum in NRW „aus Münchner Sicht positiv“. Er hält das Ruhrgebiet für geeigneter als Olympia-Ausrichter, „weil es ihm guttut, wenn es dort einen Wachstumsschub gäbe. Hier in München hätten wir ja eher Wachstumsschmerzen“.

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