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16.03.2026
13:39 Uhr
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Die Bank of England ersetzt auf den Pfund-Banknoten historische Persönlichkeiten durch Wildtiere und zieht sich den Zorn der Konservativen zu. Die wollen lieber mit einem Kriegspremier bezahlen als mit einem „knuddeligen Fleischfresser“.

Laut dem britischen Wirtschaftsverband UK Finance erfolgten 2024 nur noch neun Prozent aller Zahlungen im Vereinigten Königreich mittels Bargeld. Die meisten wurden über Karte oder Telefon abgewickelt. Aber natürlich gibt es das Pfund Sterling auch immer noch in Münz- und Banknotenform. Auf Münzen wie Scheinen prangt seit Dezember 2022 das Konterfei von König Charles III. Die älteren mit dem Bild seiner Mutter, Queen Elizabeth II., sind allerdings noch immer gültige Zahlungsmittel. Die Scheine im Wert von fünf, zehn, 20 und 50 Pfund zieren derzeit zudem vier bedeutende Briten: der ehemalige Premierminister Winston Churchill, die Autorin Jane Austen, der Maler William Turner und der Computerpionier Alan Turing.
Die Auswahl der auf den Banknoten abgebildeten Motive hat sich im Laufe der Zeit zunehmend als Politikum erwiesen. Bevor zum Beispiel 2016 der Churchill-Fünfer eingeführt wurde, der zugleich einen Wechsel von Papier- zu Polymerscheinen markierte, gab es Kritik: Feministische Gruppen bemängelten, dass hier ein Mann eine Frau verdränge – seit 2002 war die Gefängnisreformerin Elizabeth Fry auf der Fünf-Pfund-Note abgebildet gewesen. Andere wiesen darauf hin, dass Churchill ein Rassist gewesen sei. Seit 2017 ist der Kriegspremier dennoch auf dem Schein.
Doch das soll sich nun ändern. Wie die Bank of England in der vergangenen Woche mitteilte, sollen Wildtiere die historischen Persönlichkeiten in der nächsten Banknotenserie ersetzen. Bei einer Umfrage mit 44 000 Teilnehmern habe „Natur“ sich mit rund 60 Prozent Zustimmung als beliebtestes Thema erwiesen. Dahinter folgten „Architektur und Sehenswürdigkeiten“ (56 Prozent) und erst auf Platz drei „historische Persönlichkeiten“ (38 Prozent), Bilder von Wildtieren seien zudem schwer zu fälschen und würden die Natur des ganzen Landes würdigen, so die Bank.
Natürlich geht auch diese gestalterische Neuausrichtung nicht ohne Kontroverse über die Bühne. Schon als im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass ein neues Banknotendesign in Arbeit war, gab es sofort eine Petition ans britische Unterhaus, Churchill unbedingt auf dem Fünf-Pfund-Schein beizubehalten. Diese wurde abgelehnt, mit dem korrekten Hinweis, die Bank of England agiere unabhängig von Regierung und Parlament.
Nach der Ankündigung der Tiermotive meldeten sich dennoch diverse Politiker des rechten Spektrums zu Wort. Der Tory Tom Tugendhat schrieb im Daily Telegraph, es sei ein Zeichen „nationalen Niedergangs“, dass Churchill durch einen „knuddeligen Fleischfresser“ wie den Dachs ersetzt werden solle. Der rechtspopulistische Chef der Reform-Partei, Nigel Farage, nannte die Entscheidung, Churchill durch einen Dachs zu ersetzen, „den Inbegriff von woke“ und ein Zeichen dafür, wie „verrückt politisch korrekt“ selbst die Bank of England inzwischen sei.
Ob tatsächlich ein Dachs auf die Scheine kommt, ist übrigens noch gar nicht entschieden. Eine Expertenkommission soll zunächst eine Auswahlliste mit Tieren erstellen, die endgültige Entscheidung trifft dann der Gouverneur der Bank of England. Wann genau die neuen Scheine herausgegeben werden, ist noch nicht bekannt.
Solange Elizabeth II. noch lebte, hielt sie schützend ihre Hand über Andrew. Selbst dann noch, als seine Verbindungen zum pädokriminellen Netzwerk Jeffrey Epsteins öffentlich wurden. Über ein besonderes Mutter-Sohn-Verhältnis.
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