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11.09.2026
16:10 Uhr
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Die Formel 1 feiert ihr Debüt auf dem „Madring“ in Madrid. Die Fahrer sprechen von einer verrückten und komplizierten Strecke, in der Formel 2 und Formel 3 hat es bereits ordentlich gekracht.

Das eine Schweinebeinchen wirkt noch etwas verloren, wie es da hinter einer Theke präsentiert wird, am Tag bevor das Fahrerlager so richtig erwacht. Gelbe Aufstellwände rahmen die langen Freiluftgänge, in roter Schrift sind sie mit Wörtern wie „Paella“ oder „Vamos!“ bedruckt. Soll sich nur keiner fragen, wo er sich gerade befindet. Was nicht ganz irrelevant ist, denn dieses Fahrerlager könnte an sich quasi überall auf der Welt aufgebaut worden sein. Wenn die Formel 1 dieses Wochenende ihr 14. Saisonrennen fährt, wird sie dies nach 45 Jahren Pause wieder in Madrid tun. Schöne Stadt, historische, prachtvolle Gebäude, entspanntes Flair – nur ist davon an der neu geschaffenen Strecke nicht so viel zu spüren.
Ferrari spricht in seiner Pressemitteilung zwar von einer „Herausforderung im Herzen Madrids“, aber so ganz stimmt das nicht. Man muss ein paar Kilometer aus dem Stadtzentrum rausfahren, Richtung Flughafen Barajas, um zu jenem Gelände zu kommen, auf dem sich sonst in der Nähe des Trainingszentrums von Real Madrid die Mode-, Reise-, Obst- und Gemüsebranche zu Messen trifft. Und nun findet hier also auch die heilige Messe des Motorsports statt, auf dem „Madring“. Wie viel Aufwand es gewesen sein muss, inmitten von riesigen Hallen den Glamour der Formel 1 einziehen zu lassen, ist am Donnerstag zu erahnen. Während manche Teammitglieder zur ersten Inspektion über die Strecke schlendern und die Fahrer ihre Medienrunden abhalten, werden noch Olivenbäume in großen Töpfen von Gabelstaplern umhergefahren und künstlicher Rasen ausgerollt für Stände mit regionalen Spezialitäten, Bars und Cafés unter Sonnenschirmen und zwischen Palmen.
Nach seiner erstaunlichen Siegesfahrt wird der Italiener von seinen Landsleuten gefeiert – obwohl er nicht im Ferrari sitzt. Seinem Teamkollegen George Russell bleibt nur der Frust.
Die Wege sind länger als an manch anderer Strecke, bis zum Fahrerlager sind es beispielsweise vom Pressezentrum, in einer der Messehallen mit meterhohen Decken und meterhohen TV-Leinwänden untergebracht, locker zehn Minuten. Selbst die Motorhomes der Racing Bulls, von Aston Martin und Haas sind in einer Messehalle untergebracht – gewöhnungsbedürftig, aber im Freien bei den anderen Teams war kein Platz mehr. Auch die Dimension der Boxengasse ist anders, sie ist länger, weshalb der Reifenhersteller Pirelli statt der üblicherweise im Schnitt angesetzten 20 Sekunden für den Zeitverlust beim Boxenstopp 25 Sekunden veranschlagt hat. Aber viel Platz heißt eben auch: viel Raum für die über das gesamte Wochenende erwarteten 350 000 Zuschauer. Und viel Platz für Entertainment rund um das eigentliche Spektakel, so wie es den Formel-1-Besitzern von Liberty Media vorschwebt.
Das geht hier besser als auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya, der sich künftig mit Spa in Belgien abwechselt und wo das Stadtzentrum deutlich weiter entfernt ist, zudem ohne U-Bahn-Anbindung, Stichwort Nachhaltigkeit. Viel Prestige kann der Madring abgesehen vom Messegelände noch gar nicht haben, aber dieser Stopp soll den Auftakt in ein neues Kapitel Formel-1-Geschichte markieren, der Vertrag läuft bis 2035. Nicht alle sind davon begeistert, eine Initiative protestiert gegen den Grand Prix, zu laut und zu belastend für die Umwelt. Auf dem Weg zur Strecke begegnet einem schon auch mal ein deutliches „Steck dir die F1 in den Arsch“, das auf eine Mauer gesprüht wurde.
Die Formel 1 setzt mit einem neuen Event in Europa ein Zeichen, erweitert wurde der Kalender sonst zuletzt vor allem in Übersee. Wie gut dieser neue Grand Prix ankommt, wird auch vom ersten Rennen am Sonntag (15 Uhr, RTL und Sky) abhängen. Die Strecke mag nicht im Herzen von Madrid liegen, die Herausforderungen eines Stadtkurses birgt sie mit enger Begrenzung trotzdem: Auf einen kleinen Fehler folgen direkt Konsequenzen. Der Madring verlangt Millimeterarbeit. „Ich glaube, das ist der komplizierteste Kurs aus Fahrer- und Ingenieurssicht“, sagte der WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli, der die Gesamtwertung derzeit mit 66 Punkten Vorsprung auf seinen Mercedes-Kollegen George Russell und 76 Punkten vor Lewis Hamilton im Ferrari anführt. Ein Set-up zu finden, das all die Herausforderungen abdecke, werde schwer. Auf den 5,416 Kilometern mit ihren 22 Kurven gibt es zudem Abschnitte, in denen die Fahrer quasi nicht sehen können, was kommt. „Wahrscheinlich ein Autokiller“ lautete die Einschätzung des viermaligen Weltmeisters Max Verstappen.
Der Madrilene Carlos Sainz sprach von einer der „größten Herausforderungen der Formel 1 der vergangenen Zeit“ und prognostizierte: „Es wird eine Strecke sein, die sich von dem unterscheidet, was wir gewohnt sind.“ Was auch an der Vielfalt der Kurven liegt. Aus schnellen Passagen müssen die Fahrer in engen Kurven bremsen, bisweilen gleichzeitig bremsen und lenken. Wenn hierbei die Räder blockieren, wird es schwer, die Kontrolle zu behalten. Charakteristisch ist vor allem „La Monumental“, eine 550 Meter lange Steilkurve mit einer Neigung von 13,5 Grad, die mit viel Geschwindigkeit gefahren wird.
Als vor ein paar Wochen die Nachwuchsserie Formel 3 Übungsrunden drehte, knallte es ganz schön oft. Was die Profis beeindruckte. „Als ich von den 20 roten Flaggen im F3-Test gehört habe, war ich etwas überrascht“, sagte Mercedes-Fahrer Russell: „Nachdem ich selbst im Simulator gefahren bin, war ich überrascht, dass es nur 20 rote Flaggen waren. Das ist eine verrückte Strecke.“ Am Freitag krachte der Formel-2-Fahrer Tasanapol Inthraphuvasak beim Training rücklings in die Bande. Er stieg unverletzt aus, aber das Heck des Wagens fing Feuer, dunkler Rauch stieg auf, die Session wurde für Lösch- und Aufräumarbeiten länger unterbrochen. Auch die Qualifikation musste wegen Unfällen pausieren. Und die Formel 1? Als die Boliden im Freien Training erstmals über den Madring bretterten, passierte nichts. In der zweiten Einheit am Freitagnachmittag jedoch verlor Arvid Lindblad die Kontrolle über seinen Racing Bull, rote Flagge. Im Samstagstraining erwischte es Ferrari-Pilot Lewis Hamilton und Oliver Bearman im Haas. Aber auch in Baku war einst Chaos erwartet worden, das bei der Premiere dann ausblieb.
Überholen, darin waren sich die Fahrer einig, könnte am Sonntag schwierig werden. Umso mehr liegt der Fokus darauf, in der Qualifikation am Samstag am Limit zu fahren. Das kann also auch heißen: spektakuläre Strecke, aber wenig Spektakel im Rennen.
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