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18.03.2026
05:00 Uhr
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Kindern und Jugendlichen geht es wieder schlechter, jeder Vierte fühlt sich laut einer repräsentativen Befragung belastet. Schulen könnten dem entgegenwirken, nutzen ihre Möglichkeiten aber zu wenig.

Kinder sollten sich in der Schule wohlfühlen, das ist eine wichtige Voraussetzung für nachhaltiges Lernen. Foto: Patrick Pleul/DPA
Während der Pandemie ging es vielen Kindern und Jugendlichen schlecht, deutlich mehr litten unter Ängsten oder Depressionen als vorher. Ihre Situation hat sich in den vergangenen Jahren nur langsam verbessert, jetzt steigt die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern aber wieder an. Das geht aus dem Deutschen Schulbarometer hervor, einer repräsentativen Studie der Robert-Bosch-Stiftung. Dafür wurden im vergangenen Frühjahr gut 1500 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil von ihnen befragt.
Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler gab an, psychisch belastet zu sein: 15 Prozent der Befragten weisen laut Selbstauskunft psychische Auffälligkeiten auf, weitere zehn Prozent liegen im Grenzbereich. Vor zwei Jahren, als das Schulbarometer Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal direkt zu ihrer psychischen Lage befragte, waren es insgesamt 21 Prozent, also etwa jeder Fünfte. „Das ist ein besorgniserregender Trend“, sagt Studienleiter Julian Schmitz, Professor für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig.
Außerdem gaben 26 Prozent der Befragten an, ihre Lebensqualität sei gering. Nach den Gründen wurde diesmal nicht gefragt; vor zwei Jahren wurden vor allem Kriege, Leistungsdruck, die Klimakrise und Angst vor der Zukunft genannt. Das Schulbarometer offenbart aber, dass Mobbing nach wie vor ein großes Problem ist. Ein Drittel der Jugendlichen erlebt regelmäßig Schikanen durch Mitschülerinnen und Mitschüler, im direkten Kontakt wie im digitalen Raum.
Schule ist der Ort, an dem viele Kinder und Jugendliche den größten Teil ihrer wachen Zeit verbringen. Dass sie sich dort wohlfühlen, ist nicht nur für ihre mentale Gesundheit wichtig, es ist auch die Voraussetzung dafür, dass sie nachhaltig lernen können. Das Schulbarometer zeigt hier nach wie vor ein durchwachsenes Bild: Drei Viertel der Befragten berichteten von einem mittleren, 16 Prozent von einem geringen schulischen Wohlbefinden. Nur acht Prozent fühlen sich in ihrer Schule richtig wohl.
Das ließe sich ändern. „Die Daten zeigen, dass Lehrkräfte sehr großen Einfluss auf das schulische Wohlbefinden haben: Je unterstützender und wertschätzender sie wahrgenommen werden, desto wohler fühlen sich Schülerinnen und Schüler“, sagt Anna Gronostaj, Bildungsexpertin der Robert-Bosch-Stiftung. Das sei eine gute Nachricht: Es zeige, dass die Förderung von Lernleistungen und die Förderung des schulischen Wohlbefindens nicht miteinander in Konkurrenz stünden, sondern Hand in Hand gingen. Natürlich müssten Schulen dafür ausreichend Personal, die einzelne Lehrkraft ausreichend Zeit haben.
Die Studie weist noch auf einen weiteren wichtigen Hebel hin, die Partizipation: Wer in der Schule mitentscheiden darf, fühlt sich ebenfalls wohler. Hier ist allerdings noch viel Luft nach oben. Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler hätte gern mehr Einfluss auf den Unterricht, doch vier Fünftel gaben an, dass sie kaum mitreden dürfen. Gremien wie die Schülervertretung schätzen 43 Prozent der Befragten als wirkungslos ein. Bezeichnenderweise nehmen Lehrkräfte das ganz anders wahr: Mehr als jede zweite von ihnen meint, dass es an der eigenen Schule genug Möglichkeiten zur Mitbestimmung gebe, hat das Schulbarometer im vergangenen Jahr gezeigt. Das müsse sich dringend ändern, sagt Anna Gronostaj. „Partizipation ist keine didaktische Spielerei, sie sollte ein selbstverständliches und grundlegendes Prinzip von Schule sein.“
Auffällig ist, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen betroffen sind. Kinder aus einkommensschwachen Familien berichteten überdurchschnittlich oft von psychischer Belastung (31 Prozent), von geringem schulischem Wohlbefinden (29 Prozent) und niedriger Lebensqualität (36 Prozent). „Armut wirkt sich nicht nur auf die Bildungschancen aus, sondern auch auf die psychische Gesundheit junger Menschen“, sagt Julian Schmitz. „Wenn wir Kinder und Jugendliche stärken wollen, dann müssen wir die Lebensbedingungen ihrer Familien verbessern.“
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